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BUND Naturschutz Ebern

Familie Adebar f├╝hlt sich im Itzgrund pudelwohl

In Kaltenbrunn sind f├╝nf junge V├Âgel fl├╝gge geworden – das ist selten in hiesigen Gefilden.

FT 10.08.2010
VON UNSEREM REDAKTIONSMITGLIED
Berthold K├Âhler

Itzgrund - Frank Rei├čenweber, Diplom-Biologe am Coburger Landratsamt, findet nur ein Wort f├╝r den diesj├Ąhrigen Bruterfolg der Kaltenbrunner Storchenfamilie: ÔÇ×bombastisch“.
St├Ârche Kaltenbrunn

Der Horst auf dem Dach der Brauerei Schleicher war nach einem Gro├čfeuer runderneuert worden; und nun hat das Kaltenbrunner Storchenpaar f├╝nf Jungst├Ârche aufgezogen – so etwas gibt es h├Âchst selten.
Das sind Ergebnisse ÔÇ×wie in Ungarn oder Ostpolen“ (Rei├čenweber), wo St├Ârche noch auf aus ihrer Sicht paradiesische Zust├Ąnde treffen. Die Neugestaltung des Horstes durch die Familie Schleicher und die Brandversicherung hat also voll eingeschlagen.

Die Reise verk├╝rzt sich

Die Situation im Itzgrund steht symbolhaft f├╝r die weltweite Entwicklung. Den St├Ârchen geht es immer besser. Das liegt zum Beispiel daran, dass in den Winter-Quartieren der Tiere – die manchmal bis in den Senegal fliegen – in den vergangenen Jahren offensichtlich deutlich weniger gro├č angelegte Gift-Angriffe gegen Heuschrecken-Plagen gestartet wurden.

Es gibt au├čerdem immer mehr wetterfeste St├Ârche (oder ist es die Folge des Klimawandels?), denen es ausreicht, in Andalusien (Spanien) zu ├╝berwintern. Der Kaltenbrunner Storch k├Ânnte so einer sein, weil er manchmal schon im Februar sein Sommerquartier im Itzgrund aufschl├Ągt. Da w├Ąre es kein Wunder, wenn er dies nach einer eher ÔÇ×kurzen“ Anreise tun w├╝rde.

Die Landwirte helfen

Und Punkt drei: Im Coburger Land kommen die Landwirte und der Landschaftspflegeverband den V├Âgeln immer mehr entgegen und m├Ąhen die Wiesen nicht mehr gleichzeitig. Wird die Mahd auf die Zeit zwischen Mai und Juli entzerrt, finden die St├Ârche immer irgendwo eine frisch gem├Ąhte Wiese vor. Und dort herrschen dann ideale Bedingungen, um auf Jagd nach Fr├Âschen, Eidechsen oder gr├Â├čere Insekten zu gehen.

Bayernweit wurden heuer das erste Mal seit Jahrzehnten wieder mehr als 200 Storchen-Brutpaare registriert. Und glaubt man Frank Rei├čenweber, ist die Entwicklung nicht zu Ende: ÔÇ×2010 war ein durchschlagender Erfolg,“ sagt er. ÔÇ×Die Chancen stehen gut, dass im n├Ąchsten Jahr noch mehr St├Ârche hier br├╝ten werden.“

 

Bericht aus dem Fr├Ąnkischen Tag vom 27.07.2010

FT 2010 07 27 Storch auf dem Rathaus beim Altstadtfest

 

FT 26.07.2008 St├Ârche bei Rentweinsdorf
Meister Adebar fliegt gleich im Dutzend ein
Stoerche_Rentweinsdorf

Foto: Beate Dahinten

Rentweinsdorf Wer am Donnerstag zwischen Treinfeld und Lind unterwegs war, staunte nicht schlecht: Mehr als ein Dutzend St├Ârche durchk├Ąmmte – zum wiederholten Male – die Wiesen an der Baunach auf der Suche nach Fressbarem. Was Meister Adebar und sein Gefolge in so gro├čer Zahl hierher gef├╝hrt hat, war beim inoffiziellen Fototermin nicht zu erfahren. ├ťberhaupt verhielten sich die eleganten Tiere der Fotografin gegen├╝ber sehr distanziert und gingen immer wieder auf Abstand. .... Die ├Âkologischen Bem├╝hungen scheinen zu fruchten.

FT 11.08.2007 Gereuth - St├Ârche steuern Schlosspark an
StorchGereuth
In Gereuth recken die Leute gegenw├Ąrtig am Abend die K├Âpfe. Eine L├Ąrche bekommt regelm├Ą├čig Besuch. Etliche “Adebars” haben sich den Baum als Schlafplatz auserkoren.
Gereuth - P├╝nktlich zum Feierabend um 18 Uhr herum fliegen seit mehr als einer Woche bis zu f├╝nf St├Ârche in den Schlosspark ein und ├╝bernachten ohne Nest auf einer in die Jahre gekommenen L├Ąrche. Nicht alle G├Ąste des Biergartens, von dem man die Tiere aus sieht, sind in ihrem biologischen Fachwissen sattelfest, und so wurden je nach Promillegehalt auch einmal Geier oder Reiher ausgemacht.
Nachweislich liegt kein Zuckerw├╝rfel auf den Fensterb├Ąnken des Schlosses, der laut dem Volksmund den Storch mit dem Nachwuchs ins Haus junger Hochzeiter lockt.
Warum also kommen die St├Ârche zum Schloss geflogen? Ist die L├Ąrche ein “Buswarteh├Ąuschen” auf dem Flug der V├Âgel nach S├╝den? Wird ein neues Domizil f├╝r das n├Ąchste Jahr gesucht? Was machen die St├Ârche eigentlich tags├╝ber?
Viele Fragen bleiben offen. Vielleicht ergibt sich ja eine Antwort im n├Ąchsten Jahr. schm

Bayerns St├Ârche
Der Gesamtbestand des Wei├čstorches in Bayern liegt 2005 bei 133 Paaren, von denen 85 Paare erfolgreich Junge aufzogen. Der Bruterfolg liegt mit 1,83 etwas unter dem Durchschnitt der letzten Jahre. Insgesamt flogen 243 Jungst├Ârche aus.
Ein Schlechtwetter-Einbruch in S├╝d-Ost-Europa w├Ąhrend der Zugzeit, sowie ung├╝nstige Bedingungen im Winterquartier in Ostafrika f├╝hrten dazu, dass in Ostbayern, insbesondere in der Oberpfalz, viele Horste nicht besetzt wurden.
Dagegen setzte sich auch 2005 die schon in den letzten Jahren zu beobachtende, verst├Ąrkte Wiederansiedlung in Westbayern, v.a. in Schwaben und Mittelfranken mit insgesamt 11 neuen Horstpaaren fort.
Das ergab eine Bestandserhebung des LBV. Das Gesamtergebnis l├Ąsst aber hoffen, dass sich der Trend eines stabilen Bestandes in Bayern fortsetzt.
Auszug aus LBV-Projekt-Report 2005

 

Neue Presse 06.08.2005
Seinen Namen hat der Storchenturm h├Âchstwahrscheinlich von den St├Ârchen, die im darunterliegenden sumpfigen Schwanhauser Graben reichlich Nahrung fanden.
VON KREISHEIMATPFLEGER G├ťNTER LIPP

EBERN - In Ebern nisteten vor vielen Jahrzehnten mehrere Storchenpaare. Dann aber kamen der Fortschritt und die Telefondr├Ąhte, die frei von Haus zu Haus gespannt wurden.
Das veranlasste die Heimatdichterin Eva W├Ąrther zu einem l├Ąngeren Gedicht, in dem sie die ├ťberlegungen eines Storches wiedergibt. Ihr Schlussvers lautet so:

ÔÇ×Und wie er pr├╝ft und ├╝berdenkt,
Ob wagen oder fliehen?
Die Vorsicht zu dem Schlusse dr├Ąngt,
Vom St├Ądtchen abzuziehen.
Jetzt habt ihr euer Telefon!
Im Fluge er noch grollet,
Bestellt nun Tochter oder Sohn,
Per Draht, bei wem ihr wollet!“

Der Storchenturm ist eigentlich der unauff├Ąlligste der Eberner Stadtt├╝rme; so unauff├Ąllig, dass lange Zeit nirgendwo seine H├Âhe angegeben war. Dann hat das Stadtbauamt nachgemessen und jetzt wissen wir, dass er ziemlich genau 20,50 Meter hat. Der Storchenturm steht, wie der Eberner Chronist Johann Georg Greb schreibt, ÔÇ×im westn├Ârdlichen Stadtmauer Ecke im Hofe bey Hs. Nro. 73 des B├╝ttner Johann Kestler“. Dessen ÔÇ×Hofrieth“ lag zwischen der Rosengasse und der Langgasse, der heutigen Ritter-von-Schmitt-Stra├če. Sie tr├Ągt heute die Flurnummer 119 und geh├Ârt dem Zahnarzt Dr. Ziegler. Der Turm selbst aber hat wie die ganze Stadtmauer die Flurnummer 132.
Er genie├čt wie die anderen T├╝rme Denkmalschutz und ist Eigentum der Stadt.
Aus groben Steinen hat man ihn an der Nordwestecke des Berings errichtet. Sein urspr├╝nglicher Eingang liegt heute – hinter wildem Wein versteckt – in etwa f├╝nf bis sechs Meter H├Âhe an der Ostseite. Man erreichte ihn hier ├╝ber die Stadtmauer, die urspr├╝nglich selbst diese H├Âhe hatte. Interessant sind immer die Spuren an einem Bauwerk. Der Storchenturm beispielsweise zeigt an der S├╝d- und Ostseite eine deutliche Kerbe. Sie ist der Abdruck einer fr├╝heren Scheune. In etwa zw├Âlf Metern H├Âhe erkennt man auch noch eine gr├Â├čere St├Ârung im Mauerwerk. Offenbar ein weiterer Einstieg. Ich kann aber bisher nicht erkl├Ąren, wozu er diente und wie er mit der Stadtmauer verbunden war. Im Obergeschoss hat der Turm nach jeder Richtung hohe Schlitzscharten, aber keine Fenster. Seine Seitenfl├Ąchen sind im Gegensatz zu den S├╝dt├╝rmen v├Âllig ungegliedert. Man hat das Gef├╝hl, dass der Storchenturm eigentlich h├Âher werden sollte. Oder anders gesagt: Die Schieferhaube, die er im Barock erhielt und die in den f├╝nfziger Jahren erneuert wurde, passt ihm nicht recht. Sie ist f├╝r ihn zu zierlich. Vor vielen Jahren hat man den Turm zu ebener Erde aufgebrochen und eine niedrige T├╝re eingef├╝gt. Seither kann sein Erdgeschoss als Abstellraum genutzt werden. Wer innen hochschaut, erblickt in etwa vier Meter H├Âhe ein einfaches Tonnengew├Âlbe, an dessen Scheitel eine Luke von 40 x 40 Zentimeter ist. Damit konnte er als Verlie├č dienen. Zudem schreibt Greb, dass 1628 einmal ÔÇ×auf Amtsmanns Befehl beyde Gef├Ąngnisse . . . ausger├Ąumt und ges├Ąubert“ wurden. Es k├Ânnte also sein, dass Ebern im Gegensatz zur bisherigen Meinung neben dem Diebsturm noch ein weiteres Gef├Ąngnis im Storchenturm hatte! Das waren absolut ausbruchssichere Zellen. Gunther Ziegler erinnert sich noch gern daran, wie sie als Buben zu besagter Luke hochgeklettert sind und die Leiter nachzogen. Aber dabei bliebs nicht. Nach und nach haben sich diese Lausbuben mit der gleichen Technik durch die Gescho├če immer h├Âher gewagt, bis sie schlie├člich ganz oben bei den Schleiereulen waren; voller Dreck, aber vor Schweden, Indianern, Lehrern und Polizisten ungreifbar gesch├╝tzt und mit einem herrlichen Ausblick versehen. Dr . Ziegler hat zwischen Turm und Haus einen heimeligen Garten angelegt. Er hat mir einmal erz├Ąhlt, dass dieser bei der ├ťberschwemmung von 1969 wadenhoch unter Wasser stand. Pl├Âtzlich habe es einen gro├čen ÔÇ×Schlurch“ getan und schlagartig waren das Wasser und mehrere Kubikmeter Garten verschwunden. Sie hatten sich in den darunterliegenden Felsenkeller abgesetzt, der bis zur Stadtmauer reicht. Sp├Ąter wurde der Garten wieder aufgef├╝llt und neu angelegt. Unter ihm liegen aber sicher noch weitere Hohlr├Ąume.
Im Jahr 1935, so schrieb Karl Hoch, wurde in Ebern ein Storch vom Haus des Kaufmanns Grohe von ÔÇ×Bubenhand“ abgeschossen. Daraufhin mieden die St├Ârche Ebern f├╝r einige Jahre. 1940 lie├č sich nochmals ein Paar in einem flachen Weidenkorb auf dem Hausdach von Altb├╝rgermeister Schmitt nieder. Nachdem es 1947 mit einem anderen Storch bitter k├Ąmpfen musste, kam es in der Folge nur noch besuchsweise nach Ebern. Am l├Ąngsten hielten sich die St├Ârche auf dem Haus Steppert am Marktplatz , das zwei Kamine hatte. Ab 1952 blieb aber auch dieses Paar weg. In Bayern hat sich der Storchenbestand durch das Artenschutzprogramm in den letzten zwanzig Jahren gut erholt. Etwa 120 Paare und 250 Jungst├Ârche hat man 2004 gez├Ąhlt. Der Umkreis von Bamberg gilt noch immer als einer der storchenreichsten.

Anfang dieser Woche hat Erich Wolfert auf dem Eberner Rathausdach wieder einen Storch ausgemacht. Werden jetzt die jungen Eberner doch wieder naturnah frei Haus geliefert? Eva W├Ąrther w├╝rde es freuen. 

FT 13.M├Ąrz 2004 St├Ârche m├╝ssen klappern .....
von Ludwig Leisentritt
Kreis HASSBERGE - Einst gab Adebar jedes Jahr ein Gastspiel im Maintal. Heute kommen nur noch Vagabunden. “Am Gertrudfest besucht der Storch sein altes Nest.” Nach diesem alten Sprichwort hatten sich fr├╝her Mitte M├Ąrz in den Gemeinden des Maintals die St├Ârche eingefunden.
Doch die meiden schon seit einigen Jahrzehnten dieses Gebiet. Hin und wieder machen St├Ârche mal Rast auf einem Dach, lassen sich fotografieren, ziehen aber bald wieder wieter.
Nach dem letzten Krieg waren die langbeinigen V├Âgel in vielen Orten des Landkreises pr├Ąsent, selbst in Ebern und Burgpreppach. Die Aufzeichnungen ├╝ber Meister Adebar reichen bis ins 19. Jahrhundert.
1877 hatten acht unterfr├Ąnkische Schullehrer, darunter drei aus dem damaligen k├Âniglichen Bezirksamt Ha├čfurt, ihre jahrelangen Beobachtungen niedergeschrieben und so der Nachwelt einige Besonderheiten der St├Ârche hinterlassen.
36 St├Ârche zu Besuch
So berichtete der Zeiler Schullehrer und Stadtschreiber Mend, dass das Storchennest auf dem Zeiler Rathaus mit drei Metern Durchmesser und zwei Meter H├Âhe einen au├čergew├Âhnlichen Umfang besessen habe. An einem Juli-Tag des gleichen Jahres trafen sich auf dem Rathausdach einmal 36 St├Ârche, um dem Storchenpaar einen Besuch abzustatten.
Aus Obertheres berichtete Lehrer Haag, um 1865 habe der Baron von Dietfurt sein gro├čes Schloss verkauft und sich daneben ein kleineres Domizil bauen lassen. Liebend gerne wollte er, dass die St├Ârche mit ihm umziehen. So lie├č der Schlossherr das alte Nest abtragen und das Reisig auf dem First seines neuen Schlosses f├╝r den Storch zurechtlegen. Doch die St├Ârche ver├╝belten ihm den Eingriff in ihr altes Hausrecht sowie die grobe Mietk├╝ndigung und verschm├Ąhten mehrere Jahre den Ort. Erst 1873 kam wieder ein Paar und besserte das Nest aus. Im zweiten und dritten Jahr br├╝teten die St├Ârche wieder zwei Junge aus.
Nach den Aufzeichnungen des Knetzgauer Lehrers Baumeister siedelten sich um 1835 in der Schelchgemeinde St├Ârche an, die auf einem zweist├Âckigen Bauernhaus horsteten. Mit Ausnahme von zwei Jahrg├Ąngen brachten sie in den laufenden Jahrzehnten stets drei bis vier Junge zur Welt.
Nur dem Nest treu
St├Ârche sind ├╝brigens, anders als zum Beispiel Schw├Ąne nicht monogam: Zwar k├╝mmert sich der Storch r├╝hrend um seine Partnerin und um den Nachwuchs. Auch pflegt der m├Ąnnliche Storch jedes Jahr zu seinem Nest zur├╝ckzukehren. Seiner Natur gem├Ą├č l├Ąsst er jedoch das Weibchen, welches sich als erstes f├╝r ihn interessiert, in den Horst. Man spricht von einer saisonalen Einehe. Adebar ist zwar nesttreu - aber nicht partnertreu.
Das Storchennest auf dem Zeiler Rathaus war 1884 bei einem Sturm heruntergefallen. Kurz vor dem Kriegsausbruch 1914 hatten sich einmal durchziehende Wei├čst├Ârche auf den Schloten des Finanzamtes, des Forstamtes und des Cafes Lutz in der Oberen Torstra├če niedergelassen, wie der Apotheker Hugo Spaeth erz├Ąhltte. Um 1900 gab es in Unterfranken etwa 55 Brutpaare, davon alleine 33 in der Region Main-Rh├Ân.
Der europaweite R├╝ckgang der Art zeichnete sich bereits vor dem Ersten Weltkrieg ab und  f├╝hrte in den 30er Jahren zu einem ersten Bestandstief. 1927 klagte die Heimatzeitung, dass die St├Ârche weniger werden. Damals nahm man an, dass von den Bewohnern in ├ägypten, dem Winterquartier der St├Ârche, ein w├╝tender Kampf gegen die Feldheuschrecken gef├╝hrt wurde. Zu dem Zweck streuten die ├ägypter Arsenik auf die Felder, wovon die Heuschrecken eingingen. Die Folge war, dass auch die St├Ârche, die von den Heuschrecken leben, vergiftet wurden.
Auf dem Hochsitz
In den fr├Ąnkischen D├Ârfern und St├Ądtchen konnte man in diesen Jahren die munteren Gesellen noch beobachten. Bis zum Kriegsende 1945 erh├Âhte sich der Bestand nur etwas und blieb konstant bis in die 50er Jahre; 1959 sank er in Unterfranken auf vier bis f├╝nf Paare.
Erstmals seit 20 Jahren lie├č sich 1947 wieder ein Storch auf seinem “Hochsitz” auf dem Brauereischlot des “Walfisch” in Ha├čfurt nieder. Vorher hatten die Langschn├Ąbel ein Nest auf einem Privathaus in der Kaplaneigasse bewohnt. 1951 war ein Paar zum Leidwesen der Kreisst├Ądter nach zwei Tagen wieder abgeflogen. Eine Woche sp├Ąter suchte sich zu aller ├ťberraschung ein Storchenpaar ausgerechnet auf der Flughalle in der Au einen Platz. Einige Zeitgenossen fragten sich, ob es den Ha├čfurter Fliegern Flugunterricht erteilen wollte. 1953 bezog ein Paar auf dem mit einem Wagenrad versehenen Schornstein der Brauerei W├Ârtmann Quartier. Das eigentliche Nest hatte ein Windsto├č herunter geworfen.
Gl├╝ck im Rathaus
Von Knetzgau verabschiedete sich der Storch 1948, 1956, 1959 und 1961 gastierte noch in Untertheres auf dem Anwesen Adolf Lutz ein Storchenpaar.
St├Ârche auf dem Dach verhei├čen Gl├╝ck. So war der Zeiler B├╝rgermeister mit seiner Verwaltung stets froh, wenn Meister Adebar sein Nest auf dem Rathausdach einnahm. Die Presse meldete stets die Ankunft im Fr├╝hjahr und den Abflug der stolzen V├Âgel am Ende des Sommers. Bis 1959 kam fast allj├Ąhrlich ein Storchenpaar auf das Zeiler Rathaus, wo es f├╝r Nachwuchs sorgte.
1954 ist letztmals ein storchenpaar ohne Jungen registriert worden. Nachdem am Wei├čen Sonntag 1954 in Zeil ein Bub nach einem Storch geschossen hatte, blieb das Nest einige Jahre verwaist.
Diesen Vorfall nahm die Regierung in W├╝rzburg zum Anlass, alle “Storchengemeinden” darauf hinzuweisen, dass die letzten Storchennester im Regierungsbezirk besonderer Aufmerksamtkeit bed├╝rfen. Die Kommunen wurden ausdr├╝cklich ersucht, darauf zu achten, dass in Gemeinden mit Storchennestern alles getan wird, um den weniger werdenden Storchenpaaren Schutz und Pflege angedeihen zu lassen.
Der Zeiler B├╝rgermeister Rudolf Winkler schrieb 1954 an das Ha├čfurter Landratsamt, dass sich Zeil bem├╝he, die seit vielen Jahren im Nest auf dem Rathausdach nistenden St├Ârche wieder sesshaft zu machen. “Zwar sind in diesem Jahr wieder einige Tage St├Ârche in Zeil gewesen, die allerdings durch das Schie├čen von Jugendlichen vertrieben worden sind”.
Kurz darauf nannte das Stadtoberhaupt in einer Bekanntmachung, die auch in der Schule verlesen wurde, diese Handlung “bubenhaft und verbrecherisch”. Sie versto├če gegen jedes sittliche Gef├╝hl, aber auch gegen die Vorschriften des Vogelschutzes. B├╝rgermeister Winkler drohte gegen jede Bel├Ąstigung der St├Ârche strafrechtliche Schritte an.
Die letzten St├Ârche
1957 waren die Zeiler wieder froh, als zwei Adebare auf der Reise gen S├╝den ├╝ber der Stadt ihre Kreise zogen und sich schlie├člich auf zwei H├Ąusern im Neubaugebiet zu einer l├Ąngeren Rast niederlie├čen. Einige erwarteten nun bei diesen Familien einen reichen Kindersegen. Im gleichen Jahr nahm in Sand ein Paar auf dem alten Nest des Kindergartens Platz.
Fast 50 Jahre sind es jetzt schon her, dass auf dem Zeiler Rathausdach zum letzten Male St├Ârche klapperten. Vergeblich blieb eine Zeitlang das Nest auf dem Rathaus als eine Einladung an die Langschn├Ąbel bestehen. Mit dem Bau der Zuckerfabrik Ende der 50er Jahre schwanden endg├╝ltig die Hoffnungen auf eine R├╝ckkehr.
1963 war noch die Vorrichtung f├╝r das Nest auf dem First des Rathauses. Zwar kreiste ein Storch um den kargen Nistplatz herum, der Aufbau schien ihm aber offenbar zu m├╝hsam.
Nachdem das Nest bei einer Renovierung abgebaut wurde, mussten sich die Zeiler damit abfinden, dass der Abschied der St├Ârche 1954 keine Episode, sondern endg├╝ltig war. 1961 bem├╝hte sich der Zeiler Tierschutzverein r├╝hrend, aber leider vergebens, einen Jungstorch, der in Sand aus dem Nest gefallen war, wieder gesund zu pflegen. Der Jung-Adebar hatte sich dabei eine Kropfverletzung zugezogen, weshalb der Tierarzt empfahl, ihn mit Traubenzucker, Bohnenkaffee und Eiern zu erh├Ąhren.
Die ganze Stadt nahm Anteil, als im September zwei weitere Jungst├Ârche aus Zeil und aus Knetzgau im Zeiler Tierasyl Aufnahme fanden. Sie waren zu schwach, um die lange Reise nach dem sonnigen S├╝den durchzustehen. Angler versorgten die beiden Tiere mit Futter. Trotz aller F├╝rsorge gingen sie allerdings ein.
Kein Weibchen
G├╝nstiger waren wohl die Verh├Ąltnisse im benachbarten Sand. Dort horsteten die St├Ârche noch 1973 auf dem Dach des Kindergartens. Seitdem gab es im gesamten unterfr├Ąnkischen Raum nur noch einen zumeist kurzen Zwischenstopp dieser bis zu 1,10 Meter gro├čen V├Âgel. 1983 sind an den Zuckerteichen in Zeil und auf dem Schornstein einer Ha├čfurter Firma kurzzeitig St├Ârche gesichtet worden. Der Ha├čfurter Storch, der sich auch wochenlang am gesch├╝tzten Sichelsee aufhielt, war offenbar ein sogenannter Vagabund, ein “Junggeselle”, der vergeblich darauf wartete, dass ihm eine Lebensgef├Ąhrtin zufliegt.
Die Ursachen f├╝r das Ausbleiben der Wei├čst├Ârche sind weitgehend bekannt. Der wohl wichtigste Grund ist in der Zerst├Ârung der Biotope im Maintal und in der Regulierung von Fl├╝ssen und B├Ąchen zu suchen. Diese f├╝r die Landwirtschaft wertlosen Feuchtgebiete mit ihrer Artenvielfalt sind f├╝r die Nahrungsaufnahme der St├Ârche unentbehrlich.
Die Entw├Ąsserung im Bereich Zeil/Augsfeld und im Bereich der Sarlachen begann schon vor 120 Jahren, wie Unterlagen ausweisen. Experten wissen, dass ein Storchenpaar etwa 200 Hektar Feuchtwiesen braucht, um sich und seine “Familie” ern├Ąhren zu k├Ânnen. Die Nisthilfe auf dem Dach ist also nicht mehr als eine freundliche Geste: Familie Storch baut und wohnt nur das, wo es auch was zu “bei├čen” gibt.

Wer heute noch richtig sesshafte St├Ârche sehen m├Âchte, kann sie noch am ehesten bei Reckendorf im Landkreis Bamberg antreffen. Dort bieten die zahlreichen T├╝mpel und die feuchten Wiesengr├╝nde entlang der Baunach noch gute Lebensgrundlagen.
Heute erinnern nur noch die Zeiler Flurbezeichnung “Storchenwiese” in der Flussaue bei Augsfeld und in Ebern der “Storchenturm” an die allj├Ąhrliche Invasion der Fr├╝hlingsboten aus dem S├╝den, die hier im Sommer ihre Brutzeit verbrachten. Vogelsch├╝tzer hielten es schon vor 20 Jahren f├╝r w├╝nschenswert, im Rahmen eines “Storchenprogramms” in der Region wieder ein oder zwei Wei├čstorchpaare anzusiedeln.
Eine neue Chance
Neben den Orten Alitzheim und r├Âthlein wurde in den 80er Jahren vor allem Sand am Main f├╝r geeignet gehalten. NachAuffassung von Exoerten mussten einige Nahrungsbiotope gepachtete oder sogar neu angelegt werden. Was vor 20 Jahren Utopie war, r├╝ckt jetzt in den Bereich des M├Âglichen.
Gro├če Bereiche der Mainauen sind - wom├Âglich in letzter Minute - als Vogelschutz- und Brutgebiete f├╝r Watv├Âgel ausgewiesen worden. Das Maintal zwischen Ha├čfurt und Zeil ist geradezu ideal, liegen doch zahlreiche Baggerseen, Altmainarme und Mainbuhnenteiche auf der Vogelzuglinie.
Im August 2001 legten nach Beobachtungen 60 St├Ârche auf den Flug gegen S├╝den Zwischenlandungen in Lohr, Waldb├╝ttelbrunn und selbst in Hendungen in der Rh├Ân ein. Hier g├Ânnten sich die gro├čen V├Âgel eine Pause, um neue Energie f├╝r ihren Weiterflug zu tanken. Aufgebrochen waren sie wohl aus ihren Brutgebieten in Nord- und Ostdeutschland sowie S├╝dskandinavien zu ihren ├ťberwinterungszielen in Afrika.
In Lohr verharrten auf den D├Ąchern an den zwei Tagen 27 Rotschn├Ąbel stundenlang auf einem Bein. Einige Leute glaubten an einen Werbegag, bis sich schlie├člich doch einer der St├Ârche bem├╝├čigte, sich zu bewegen. Im selben Jahr gaben sich im Juni drei St├Ârche in R├Âmershofen ein Stelldichein. Nach einer Stunde war der viel bestaunte auftritt schon wieder zu Ende. Das Storchentrio drehte noch ein paar Runden und entschwand gen S├╝den.
Kehren sie zur├╝ck?
Das Life-Natur-Projekt soll dazu f├╝hren, dass St├Ârche wieder zwischen Ha├čfurt und Eltmann in den Mainauen heimisch werden. Die stolzen Zahlen von einst wird man in den dicht besiedelten und versiegeleten Gebieten wohl nicht mehr erreichen k├Ânnen. 1934 wurden auf dem Gebiet der Bundesrepublik 8.000 Storchenpaare gez├Ąhlt. 1958 sank die Zahl auf 5.000, w├Ąhrend sie heute auf 3.000 gesch├Ątzt wird. Das klingt nach viel, doch sind 2.500 in den neuen Bundesl├Ąndern in der “Wildnis” nahe Oder und Elbe angesiedelt.
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