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Naturschutz

Landschaftspflege im Landkreis Haßberge

BUND Naturschutz Ebern

Landschaftspflege Trockenheide bei Albersdorf

Am Samstag, den 18. Februar 2012 wurde erneut eine Pflegema√ünahme durchgef√ľhrt. Es wurden Fl√§chen im n√∂rdlichen Teil des Grundst√ľckes freigelegt, so dass sich die dort befindliche Flora wieder frei entwickeln kann. Mehrere B√§ume wurden entfernt und sonstiger Aufwuchs beseitigt.
Das Material musste durch das unwegsame, bergige Gel√§nde zum bereitstehenden H√§cksler des Sozialpsychiatrischen Zentrums (SPZ) m√ľhsam transportiert werden. Die Ladefl√§che des H√§ckslers war zum Schluss zu 3/4 gef√ľllt.
Die Helfer wurden danach mit einer leckeren, hei√üen Suppe vom Eigent√ľmer des  Gebiets Helmut Schuberth belohnt.
Die Verantwortlichen zeigten sich erfreut √ľber das erzielte Ergebnis und sind gespannt, wie sich das Gebiet im Sommer entwicklen wird.

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Ein Teil der Helfer nach getaner Arbeit!


28. Mai 2009 Exkursion zur Steppenheide Albersdorf.

Nach der Pflegeaktion, die unter Mithilfe zahlreicher BN-Mitglieder im Februar diesen Jahres durchgef√ľhrt wurde, wollte man die Ergebnisse dazu sichten. Deshalb wurde eine Exkursion unter F√ľhrung von Dipl. Biologen Otto Elsner zur Steppenheide bei Albersdorf durchgef√ľhrt.
Die Teilnehmer konnten eine deutliche Auflichtung des s√ľdlichen Teils feststellen, der auch der zu f√∂rdernden Pflanzengesellschaft deutlich zugute kommt. So waren auch das gro√üe Zweiblatt, der kriechende Heuhechel, die stengellose Kratzdistel und das sch√∂pfige Kreuzbl√ľmchen vertreten.
Begeistert stellte der Pflanzenkundler die Steppenheide als als besonderes "Kleinod" heraus und verwies dabei auf die kleine einzigartig duftende Essigrose und das Meer aus, im Herbst bl√ľhenden, Kalkastern hin.
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Besitzer Helmut Schuberth, dessen Herz an diesem Grundst√ľck h√§ngt, zeigte sich auch bereit im √ľbern√§chsten Jahr eine weitere Ma√ünahme in Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz durchf√ľhren zu lassen, um eine weitere Auflichtung zu erreichen und damit eine Bereicherung der Pflanzengesellschaft zu sichern.


07. Februar 2009 Landschaftspflegeaktion auf einer Steppenheide bei Albersdorf Artenreichtum auf bedeutsamer Fläche sichern

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Albersdorf – Auf einer Steppenheide nahe Albersdorf f√ľhrte der Bund Naturschutz Ebern eine Landschaftspflegema√ünahme durch. Damit soll auf der botanisch bedeutsamen Fl√§che wieder der ehemalige Artenreichtum erreicht werden.
In den letzten Jahren wuchs die bekannte Fl√§che ‚ÄěSteppenheide – Kiefernw√§ldchen Albersdorf“ immer st√§rker, besonders mit Kiefern, zu. Gerade im Florabereich wurde ein R√ľckgang an speziellen Pflanzenarten festgestellt. So ging gerade die Anzahl der Ragwurzpflanzen enorm zur√ľck. Denn der dichter werdende Baumbestand, der eine st√§rkere Beschattung bewirkte, bedingte eine geringere Erw√§rmung des Bodens.
Bereits im Herbst wurde die zu pflegende Fläche mit dem Besitzer Helmut Schuberth durch den Biologen Otto Elsner und Harald Amon vom Bund Naturschutz Ebern begangen und die zu entfernenden Bäume und Sträucher gekennzeichnet. Über die Maßnahme wurde auch die Untere Naturschutzbehörde stets auf dem Laufenden gehalten.
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Damit keine Personen gefährdet werden, wurden die etwa 50 Bäume vorzeitig gefällt, wobei es gar nicht so einfach war, die dazwischen stehenden Wacholder, die ja erhalten bleiben, zu schonen. Ein grobes Aufarbeiten des Fällgutes mit Entasten und Ablängen schloss sich an, bei dem auch die gekennzeichneten Sträucher entfernt wurden.
Besonders viele Aktive waren dann n√∂tig, das holzige Schnittmaterial aus dem Pflegegebiet zu holen und dem bereitstehenden H√§cksler von der Diakoniestelle ‚ÄěHaus am Zeilberg“ st√§ndig zuzuf√ľhren.
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Wie am Flie√üband brachten die Helfer das Material heran, um die Maschine zu f√ľttern.
Als alles herausgezogen und verarbeitet worden war, hatte der H√§cksler √ľber zehn Kubikmeter H√§ckselgut auf die Lkw- Ladefl√§che geblasen. Dieses kann nun, nach einem Trocknungsprozess, in einer Hackschnitzelheizung verbrannt werden.
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Zum Aufw√§rmen gab es abschlie√üend noch einen warmen Eintopf f√ľr alle Helfer, den die Familie Schuberth spendierte.
Nun sind die Eberner Natursch√ľtzer gespannt, ob sich, bei einer von Otto Elsner Anfang Juni gef√ľhrten Exkursion, schon erste Erfolge der Aktion bei den Pflanzen beobachten lassen

Kiefern-Wacholderheide (Steppenheide)
nordöstlich von Albersdorf

Ein Trockenhang mit einer sehr interessanten Flora ist in den letzten Jahren immer mehr zugewachsen. Im Rahmen einer Pflegeaktion sollen schattenwerfende Kiefern und Unterholz entfernt sowie die Wacholder freigestellt werden.
Teile der gef√§llten Kiefern sind aus dem Waldst√ľck herauszutragen und dem bereitstehenden H√§cksler zuzuf√ľhren.
Dazu werden eine Menge fleißiger Hände benötigt, die die Häckselmaschine ständig beliefern. Die Eingabe der Hölzer erfolgt durch fachlich geschultes Personal.
Termin:
Samstag, 7. Februar 2009 um 09.15 Uhr in Albersdorf (östliche Einfahrt)
Treffpunkt in Ebern um 09.00 Uhr am Realschulparkplatz zur Bildung von Fahrgemeinschaften

Kleidung: warme Arbeitskleidung, Handschuhe und festes Schuhwerk f√ľr Getr√§nke und Brotzeit wird gesorgt

FT 05.05.2005 KREIS HASSBERGE. Aus dem gro√ü angelegten Schafweideprojekt am s√ľdlichen Ha√übergtrauf zwischen Zeil und der Hohen Wann zur Erhaltung der Kulturlandschaft ist - bislang jedenfalls - nur ein kl√§glicher Teil (vielleicht 15 Prozent) realisiert worden. Das erfuhren am Mittwoch die Kreistagsmitglieder des Umwelt- und Werkausschusses, der in Ha√üfurt tagte und sich dann vor Ort umsah.
Die Konfliktpunkte, vor allem mit den Jagdp√§chtern, sind zu gro√ü. Zusammenlegbare Fl√§chen konnten nicht angepachtet werden, teilweise wurden von den Jagdp√§chtern sogar Sperrgrundst√ľcke gepachtet und Unterschriftenlisten zum Protest eingereicht, schilderte Klaus Haubensack von der Unteren Naturschutzbeh√∂rde am Landratsamt die Problematik Seit Oktober 2004 konnten lediglich einige wenige Grundst√ľcksflecken an der Kleinen Hohen Wann gewonnen werden, wo jetzt ein weitaus abgespeckter Versuch mit Schafen und Ziegen (Unterverpachtung an einen Sch√§fer) gestartet werden soll, um die Verbuschung der landwirtschaftlich nicht mehr genutzten Fl√§chen zu stoppen. Dies war sozusagen eine Eilentscheidung im April, weil sonst nach der EU-Agrarordnung √ľberhaupt keine F√∂rderung mehr zu bekommen gewesen w√§re.
Die J√§ger sind gegen die Schafbeweidung, weil die Rehe solche Fl√§chen meiden wie die Pest, zumindest f√ľr eine Zeit lang. Hugo Baum (Eltmann) von der Jagdgenossenschaft, der bei der Sitzung das Wort ergreifen durfte, wurde deutlich: "Die Jagdpacht kostet viel Geld. Wenn nichts mehr dabei herausspringt, h√∂ren wir auf. Dann gibt's auch die Jagdpacht nicht mehr. Und wer baut dann die Wege? Die Stadt Zeil vielleicht?" Der Klaus Haubensack habe gesagt, so Baum, er habe 230 000 Euro" im Sack" f√ľr das Projekt. "F√ľr das Geld kriegt er die Fl√§chen auch jahrelang gem√§ht", folgerte Baum.
Landrat Rudolf Handwerker versuchte die Wogen zu gl√§tten, indem er auf das gemeinsame Bestreben, n√§mlich die Kulturlandschaft zu erhalten, hinwies. Das Schafweideprojekt sei aus der Not geboren, weil der Staat weniger Pflegemittel zur Verf√ľgung stelle (statt fr√ľher 300 000 jetzt 140 000 Euro).
Alternative?
Kreisrat Gerhard Eller machte den Vorschlag, die Beweidung mit dem fränkischen Gelbvieh (Rindern) zu probieren. Beispiele gebe es genug. Die Rehe hätten keine Abneigung gegen Rinder. Aber beim Großvieh gibt es wieder Vorbehalte wegen der Hanglage und Huftritten.
Jetzt soll, wie Handwerker meinte, erst einmal der kleine Versuch mit Schafen und Ziegen starten. N√§chstes Jahr k√∂nnen die Voraussetzungen f√ľr den Sch√§fer mit einem Pferch auf einem Erwerbsgrundst√ľck verbessert werden. job

FT 27.02.2004
Kein Geld mehr f√ľr Natur?
Im Kreis-Umweltausschuss zur√ľckgefahrene Pflegeprogramme kritisiert
Kreis Ha√überge. Die Landschafts- und Naturpflege ‚Äěwird etwas schwierig werden, das steht fest“, sagte im Umwelt- und Werkausschuss des Kreistages ORR Dr. Gerhard Weinmann auf eine schriftliche Anfrage von Kreisrat G√ľnther Geiling (SPD).
von Jochen Bopp
Denn im Zuge der allgemeinen Sparwelle werden auch die staatlichen Zusch√ľsse aus dem Landschaftspflegeprogramm und die f√ľr die Pflege in den Naturschutzgebieten zur√ľckgefahren. Um wie viel, ‚Äědas wissen wir noch nicht“, stellten Landrat Rudolf Handwerker und Klaus Haubensack vom Landratsamt fest. Ende M√§rz soll dazu eine Besprechung bei der Regierung von Unterfranken stattfinden.
Kreis verringert seine Mittel fast um die Hälfte
Fest steht, dass zumindest der Landkreis seine Eigenmittel schon in diesem Jahr von 80.000 auf 45.000 ‚ā¨ f√ľr Pflegema√ünahmen au√üerhalb der Naturschutzgebiete zur√ľckfahren muss. F√ľr 2004 hat der Landkreis eigentlich Landschaftspflegema√ünahmen in H√∂he von 107.000 ‚ā¨ vorgesehen. Hierzu wurden Zusch√ľsse in H√∂he von knapp 63.000 ‚ā¨ beantragt. Ob man sie bekommt, steht in den Sternen.
Des Weiteren sind Pflegema√ünahmen in den Naturschutzgebieten in H√∂he von 170.600 ‚ā¨ eingeplant, die zu 100 Prozent vom Staat kommen sollen. Mit einer Reduzierung dieses Umfanges ist stark zu rechnen – um bis zu 40 Prozent.
Die vom Landkreis in den letzten Jahren erworbenen Biotopflächen haben inzwischen eine Größe von 57 ha. Davon sind 15 ha an landwirtschaftliche Betriebe zur Bewirtschaftung verpachtet (Vertragsnaturschutz).
Entgegen dem von oben diktierten urspr√ľnglichen Stopp f√ľr neue Vertr√§ge, habe der Kreis doch noch alle angedachten Vertr√§ge f√ľr dieses Jahr abschlie√üen k√∂nnen, berichtete Dr. Gerhard Weinmann.

Wenn es keine oder immer weniger Pflege gibt, dann m√ľsse man den Ankauf von Fl√§chen durch den Landkreis hinterfragen, denn dann sei dies hinausgeschmissenes Geld, stellte G√ľnther Geiling fest.  …………..

Standpunkt:

Da haben wir den Salat
von Jochen Bopp
es kommt, wie es kommen musste. Vor Jahren schon hat der Kreis, angetrieben von der Naturschutzbeh√∂rde, angefangen, Landwirten Wiesen, Feuchtfl√§chen und √Ącker abzukaufen, weil auf ihnen – oh wie wundersam – seltene oder nahezu als ausgestorben erachtete Primeln oder Orchideenarten sprossen. Die Pfl√§nzchen sind – logisch – eigentlich nur deshalb der Mutter  Erde entwachsen, weil die Bauern mit Boden und Bewuchs sorgsam und naturbewusst umgegangen sind. Aber trau keinem schlitzohrigen Landmann! Er k√∂nnte ja mit dem st√§hlernen Pflug alles zunichte machen. Ergo hat man die Fl√§chen gekauft mit Mitteln aus dem staatlichen Naturschutzfonds, zu deutsch: mit Steuermitteln.
Weil aber hinter dem Schreibtisch im Landratsamt allesamt gelehrte Leute sitzen, die mit landwirtschaftlichen Schneidger√§ten und Heuwendern nichts am Hut haben, hat man den Bauern angeboten, hier f√ľr 1000 Mark und dort f√ľr 1000 ‚ā¨ die j√§hrlich ein bis zweimal notwendigen Pflegema√ünahmen durchzuf√ľhren, damit die Primel auch f√ľrderhin gedeihen kann und nicht unter anderen gemeinen Kr√§utern, Disteln und Brennnesseln verschwindet.
Das an sich ist schon ein Unsinn. Denn, warum m√ľssen √∂ffentliche Gelder ausgegeben werden, wenn – w√§re er noch Eigent√ľmer – der Landwirt von sich aus schon daf√ľr gesorgt h√§tte, dass auch eine Primel ihre Daseinsberechtigung hat. Aber, so lautete vor Jahren noch der aussagekr√§ftige Satz eines Naturschutzbeamten, ‚ÄěGeld? Geld haben wir genug!“
Peng! Jetzt ist es weg. Fast. Die Primel vermutlich demn√§chst auch. Und der edle Landmann hat auch nichts mehr zu bei√üen. Aber daf√ľr ist der Landkreis Gro√ügrundbesitzer. Und da der Kreis im Grunde wir alle sind, die wir hier wohnen, freuen wir uns √ľber diesen tollen Anlagewert.

Leserbrief zum Artikel im FT vom 27. Februar 2004:
,,Kein Geld mehr f√ľr die Natur" und Standpunkt ,,Da haben wir den Salat".

Im Standpunkt ,,Da haben wir den Salat" wird in Biertischmanier die lobenswerte Arbeit des Kreises in Misskredit ge¬≠bracht. Am Ende seien Die wohl alles theoretisierende Spinner, wurden durch Land¬≠kauf das Steuergeld verschleu¬≠dern und mit dazu beitragen, unseren Bauernstand zu verar¬≠men. Es w√§re alles in bester Ordnung, wenn man nur alles so laufen lie√üe wie es l√§uft. Dann w√ľrde der Landwirt von sich heraus wie durch ein Wun¬≠der und entgegen aller wirt¬≠schaftlichen Fesseln, die ihm heutzutage obliegen, das Rich¬≠tige tun, damit alles sich zum Guten wendet. So werden M√§r¬≠chen gemacht.
H√§tte sich der Schreiber nur f√ľnf Minuten seiner Zeit ge¬≠nommen, nicht zu polemisie¬≠ren, sondern ehrlich zu recher¬≠chieren, w√§re wohl auch er auf die erschreckenden naturge¬≠setzlichen Tatsachen gesto√üen. Nat√ľrlich kann er sagen, was macht es mir aus, dass in Deutschland 110 Vogelarten (43 Prozent) gef√§hrdet sind. Oder was interessiert mich, dass 16 Vogelarten (sechs Pro¬≠zent) erloschen sind.
Es mag ihn vielleicht auch nicht st√∂ren, dass von unseren Farn- und Bl√ľhpflanzen in Deutschland 47 bereits ausge¬≠storben oder verschollen sind und weitere 804 Arten in ihrem Bestand gef√§hrdet sind.
Vielleicht hat er ja auch nie in seinem Leben lebende ein­heimische Amphibien gese­hen. Die Tage aller Amphibienarten sind bereits gezählt.
So lie√üe sich unser segensrei¬≠ches Wirken mit Zahlen belie¬≠big lange fortsetzen. Es bedeu¬≠tet in unserem Leben, dass der Fr√ľhling stummer wird ohne den Gesang zahlreicher ver¬≠schiedenster gefiederter Gesel¬≠len. Es bedeutet, dass die Land¬≠schaft eint√∂niger wird ohne den Reichtum zahlloser Farn- und Bl√ľtenpflanzen. Es bedeu¬≠tet, dass unsere Heimat f√ľr viele Mitgesch√∂pfe nicht mehr le¬≠benswert ist. Was, frage ich mich, gibt uns das Recht, alles zu t√∂ten, was nicht sofort wirt¬≠schaftlich scheint?
Was, frage ich mich, stoppt eine Entwicklung, die sich am Ende f√ľr die Menschheit als fa¬≠tal erweisen kann? Was, frage ich mich, gibt uns die Zuver¬≠sicht, dass wir mit diesem Tun unseren Nachkommen keinen B√§rendienst erweisen? Weil es f√ľr mich auf all diese Fragen keine vern√ľnftige  Antwort gibt, au√üer man vertraut den M√§rchentanten, die einem sa¬≠gen, es wird schon alles gut ge¬≠hen, trete ich vorsorgehalber f√ľr das Leben ein.
Daher ist f√ľr mich die Sorge des Kreises, um die genetische Vielfalt eines Erbes , auf das wir hier gemeinsam stolz sein d√ľr¬≠fen, h√∂her einzusch√§tzen als ein paar Euro an Steuergeldern, die man einsetzte, um diesen unbezahlbaren Anlagewert er¬≠halten zu k√∂nnen. Verglichen mit den Summen, die t√§glich in die Vernichtung unserer biolo¬≠gischen Grundlagen investiert werden, ist diese Investition l√§¬≠cherlich wenig.
Ja, ich glaube, dass der freie Journalismus hier eine starke Verantwortung hat, sich mit ei¬≠ner zukunftsweisenden Kritik f√ľr den Erhalt des Unverwech¬≠selbaren einzusetzen - Nachbe¬≠ter von Wirtschaftsm√§rchen haben wir genug.
Dr. Robert Atzm√ľller
Steinb√ľhl8
97522 Sand am Main

03. März 2004
Leserbrief zur Notwendigkeit der Natur- und Landschaftspflege

In letzter Minute verh√§ngnisvollem Trend gegengesteuert 
Zum Standpunkt ‚ÄěJetzt haben wir den Salat“ von Jochen Bopp:
‚Äě20 bis 30 Jahre haben ausgereicht, um manche Agrarlandschaft zu einem gr√∂√üeren Problemgebiet zu machen als es der benachbarte st√§dtisch- industrielle Bereich ist“. Diese oder √§hnliche Aussagen findet man, ohne gro√üe Recherchen betreiben zu m√ľssen, in vielen Lehrb√ľchern, die sich mit dem Thema √Ėkologie befassen.
Die Roten Listen, man k√∂nnte sie auch die Sterberegister heimischer Tier- und Pflanzenarten nennen, machen diese katastrophale Entwicklung in der Natur nur allzu deutlich. Seit etwa 1850 starben im Gebiet der alten Bundesl√§nder 20 Vogel-, 27 Schmetterlings-, vier Fisch-, 17 Spinnen- und 96 K√§ferarten sowie 63 verschiedene Farn- und Bl√ľtenpflanzen aus.
N√§hme man sich dann noch ein paar Minuten l√§nger Zeit f√ľr das Literaturstudium, w√ľrde man schnell f√ľndig, woher dieses dramatische Artensterben in unseren Natur- und Kulturlandschaften seit Mitte des 19. Jahrhunderts r√ľhrt. Die moderne Landwirtschaft f√ľhrt zusammen mit Forstwirtschaft und Jagd mit gro√üem Abstand die Liste der Verursacher an!
Das war allerdings nicht immer so. Entwickelte sich die urspr√ľngliche Naturlandschaft doch erst durch das √ľber Jahrhunderte andauernde ackerbauliche Wirken des Menschen von einer fast fl√§chendeckenden Wald- hin zur Kulturlandschaft. Langsam wuchs in diesen fr√ľheren Zeiten ein abwechslungsreiches Mosaik von Siedlungen und nat√ľrlichen Landschaftselementen.
Damit verbunden war eine Verdopplung in der Vielfalt der Pflanzen und eine Artenvermehrung im Tierreich. Vom 16. Jahrhundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts war dieses Bild der Normalzustand.
Ab Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts √§nderte sich dieses Bild auf grundlegende Weise. Eine Agrarreform und Bodenneuordnung f√ľhrte zu ersten gro√üen Fl√§chenzusammenlegungen. Die gro√üfl√§chige und extensive Nutzung von Allmendefl√§chen wurde aufgegeben. landeskulturelle Ma√ünahmen, die Einf√ľhrung der mineralischen Pflanzend√ľngung und der verst√§rkte Einsatz leistungsf√§higer Maschinen in der Bodenbearbeitung und andere Fortschritte in der Landwirtschaft f√ľhrten zu einer Intensivierung der Landnutzung.
Ein revolution√§rer Umbruch in der Landwirtschaft vollzog sich allerdings erst in der Nachkriegszeit ab der Mitte des 20. Jahrhunderts unter massivem Einsatz aller technischen und chemischen M√∂glichkeiten. Wirtschaftlicher Druck zwang die Landwirte zur Expansion. Die kleinb√§uerliche Landwirtschaft wurde das Opfer st√§ndig steigender Ausgaben f√ľr mehr Maschinen, mehr Kunstd√ľnger und mehr Pestizide.
Das Ergebnis dieser Entwicklung sehen wir heute: ausger√§umte, erodierte und schwer mit Chemie belastete Agrarlandschaften. Nun drohen unserer Kulturlandschaft weitere Gefahren. Zum einen schreitet die Intensivierung der Landwirtschaft auf ertragreichen Standorten wie in der Mainaue ungebremst fort . Auf der anderen Seite verlieren wertvolle Lebensr√§ume auf von der modernen Landwirtschaft nicht rentabel zu bewirtschaftenden Fl√§chen ihre Lebensqualit√§t f√ľr seltene Pflanzen und Tiere. Die ungehemmte Siedlungsentwicklung tut ihr √ľbriges.
Lange Zeit hat die Politik die Augen vor diesen Entwicklungen verschlossen. Gerade noch rechtzeitig aber wurden auch in unserem Landkreis Maßnahmen getroffen, um diesem Trend Einhalt zu gebieten.
Mit Stolz k√∂nnen wir heute auf zahlreiche Schutzgebiete, beeindruckende Zeugnisse der fr√ľheren Kulturlandschaft und Reste naturnaher Lebensr√§ume blicken. Dies war und ist allerdings nur m√∂glich durch den beharrlichen Einsatz der Naturschutzverb√§nde und -beh√∂rden. Ohne fundierten Sachverstand und den Einsatz von – im Vergleich zu anderen staatlichen und kommunalen Bereichen l√§cherlich geringen – finanziellen Mitteln w√§re dieses Ergebnis allerdings nicht m√∂glich gewesen. Und auch die Landwirte haben von dieser Entwicklung profitiert. So mancher Klein- und Mittelbetrieb hat sein Auskommen nur durch die zus√§tzlichen Einnahmen aus der Landschaftspflege.
Die Erhaltung unserer vielgestaltigen Kulturlandschaft als Refugium f√ľr bedrohte Pflanzen und Tiere, als Augenschmaus f√ľr Einheimische und Touristen und als Verm√§chtnis und Entwicklungspotenzial f√ľr nachfolgende Generationen muss uns auch in Zukunft etwas wert sein. Jeder andere Weg f√ľhrt nur weiter in der Abw√§rtsspirale, die √ľber kurz oder lang auch die Menschheit in ihren Strudel ziehen wird.
√úbrigens – so mancher ehrenamtliche und hauptamtliche Natursch√ľtzer hat sicher in den letzten Jahren mehr mit den erw√§hnten ‚Äělandwirtschaftlichen Schneidger√§ten und Heuwendern am Hut“ gehabt, als der Autor des FT -Standpunkts vermuten wird, der hiermit herzlich zu einer Mitarbeit bei einer der n√§chsten ehrenamtlichen Pflegeaktionen des Bundes Naturschutz eingeladen ist.
J√ľrgen Thein
Diplombiologe
Bund Naturschutz in Bayern
Kreisgruppe Haßberge
Tränkberg 6
97437 Haßfurt

Leserbrief
Zum Artikel ‚ÄěDas Vertrauen steht auf dem Spiel“
Im Bote von Hassgau am 30.12.2003

Erschienen am 02.01.2004
Naturschutz vor dem Aus ?
Immer deutlicher werden die katastrophalen Auswirkungen v. a. im Bereich des Naturschutzes, die das bayerische ‚ÄěGruselkabinett“ in M√ľnchen im Zuge der so genannten Haushaltskonsolidierung durchsetzen will. Von einer Gleichbehandlung aller  Ressorts kann sicher nicht die Rede sein. Soll doch insbesondere der Etat des Umweltministeriums √ľberproportional beschnitten werden.
Dem Eindruck, es w√ľrde f√ľr den Naturschutz seit Jahren √ľberproportional viel Geld ver(sch)wendet, den die √ľbertriebenen Einsparbeschl√ľsse beim B√ľrger erwecken sollen, muss entschieden entgegen getreten werden. Alle Natursch√ľtzer haben im Gegenteil von Anfang an lernen m√ľssen, mit wenig Geld auszukommen und diese Mittel sinnvoll einzusetzen. Weitere drastische Einsparungen, die 30 % bis zu 100 % betragen sollen, w√§ren das Aus f√ľr viele laufende und zuk√ľnftigen Projekte im Arten- und Naturschutz.
‚ÄěNa und – f√ľr was brauchen wir den diese Pflanzen und Tiere √ľberhaupt? Was bringt uns den die Artenvielfalt?“ Diese oder √§hnliche Fragen werden uns Natursch√ľtzern oft gestellt.
Dass alle Lebewesen als Mitgesch√∂pfe ein Recht aufs √úberleben haben,  ist nur eine, von vielen Menschen jedoch nicht akzeptierte Antwort auf diese Frage. Da muss jeder seine pers√∂nliche Entscheidung treffen.
Sind wir Menschen ohne eine intakte Natur aber langfristig selbst noch √ľberlebensf√§hig? Dieser Frage kann sich keiner entziehen. Auch die Menschheit ist nur ein Teil der Natur, wenn wir das auch aufgrund unserer Entfremdung durch Zivilisation und Technik oftmals vergessen. Sauberes Trinkwasser, gesunde Luft und ertragreicher Boden sind aber in einer zerst√∂rten Natur nicht mehr zu finden!
Naturschutz hat auch einen wirtschaftlichen Wert f√ľr die Gesellschaft! Da wird sicher mancher, dem die bisherigen Argumente gleichg√ľltig sind, aufhorchen. Naturschutz ist ein Wirtschaftsfaktor. Gerade in unserem Landkreis wird das oft vergessen.
Hier dient der Naturschutz in herausragender Weise auch dem Erhalt unserer wertvollen Kulturlandschaft, der Grundlage f√ľr eine Entwicklung des Tourismus in unserer Heimat. Welche anderen Ressourcen haben wir denn sonst in so reichem Ma√üe? Werden die Bem√ľhungen in der Landschaftspflege in Zukunft aufgegeben, dann wir unsere attraktive Landschaft schon bald ihren Reiz f√ľr Besucher verlieren!
So mancher Landwirt, der sich in den letzten Jahren ein zweites Standbein in der Landschaftpflege aufgebaut hat, wird in existenzielle Schwierigkeiten geraten. Eine weitere Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung ist in weiten Teilen des Landkreises nicht m√∂glich und sicher auch nicht w√ľnschenswert. Der Erhalt der wertvollen Lebensr√§ume ist definitiv nicht durch eine Ertragssteigerung in der landwirtschaftlichen Produktion zu erreichen, handelt es sich dabei doch meist um magere, schlecht zu bewirtschaftende und kleinfl√§chige Grenzertragsstandorte.
Was kostet Naturschutz den √ľberhaupt? Tausende Stunden werden im Landkreis Hassberge allj√§hrlich ehrenamtlich u. a. f√ľr den Amphibien-, Fledermaus- oder Vogelschutz geleistet. Dieses Engagement ist nur durch eine hauptamtliche Koordination vieler Projekte zu gew√§hrleisten. Ohne finanzielle Unterst√ľtzung geht der ehrenamtliche Naturschutz deshalb ebenfalls schweren Zeiten entgegen. Allein f√ľr den Unterhalt der Stra√üen in Bayern werden aber beispielsweise j√§hrlich 168 Millionen Euro ausgegeben. Das ist viermal mehr als f√ľr den Naturschutz. W√ľrde nur ein geringer Teil dieser Mittel f√ľr Naturschutzbelange umgewidmet, w√§re den sparsamen Natursch√ľtzern schon geholfen.
Ist Naturschutz wirklich nur ein Luxus, den wir uns in guten Jahren leisten wollen? Oder hat die Gesellschaft nicht vielmehr die Verpflichtung, den nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Natur und Umwelt zu √ľbergeben ? Wenn ja, muss auch der Staat seiner Verantwortung, u. a. durch die Bereitstellung ausreichender Finanzmittel, gerecht werden.

J√ľrgen Thein
Diplombiologe
Martin-Luther-Str. 4
Hassfurt
30.12.2003

Der Schwalbenschwanz ist ein typischer Schmetterling warmer S√ľdh√§nge

FT 06.12.2003 
Die Axt ist angelegt 

Kreis Ha√überge. Der Bund Naturschutz (BN) Ha√überge bef√ľrchtet drastische Verschlechterungen f√ľr den Natur- und Artenschutz im Landkreis Ha√überge durch Einsparungen im Haushalt des bayerischen Umweltministeriums und durch die Reform der Forstverwaltung. Die √ľber zehnprozentige K√ľrzung der Gelder f√ľr die Naturschutzf√∂rderprogramme gef√§hrdeten die Landwirtschaft.
Das Ministerium f√ľr Umwelt spart laut BN 15 Prozent ein. Vor allem bei den f√ľr den Naturschutz zentralen F√∂rderprogrammen Vertragsnaturschutz und Landschaftspflege. Massive Streichungen seien zudem bei den F√∂rdergeldern f√ľr die Naturparks geplant.
F√ľr den Landkreis h√§tte dies dramatische Auswirkungen f√ľr den Natur- und Artenschutz und den Erhalt der Kulturlandschaft. Eine Beibehaltung des hervorragenden Zustandes der wertvollen Lebensr√§ume und der Aufbau eines Biotopverbundes seien ohne staatliche F√∂rderung zum Scheitern verurteilt. Viele in den letzten Jahren begonnene Pflegema√ünahmen, in die bereits erheblich investiert wurde, w√§ren umsonst, da die langfristige, die Natur schonende Folgenutzung, etwa durch Schafbeweidung der Fl√§chen, in Frage gestellt wird, so der Bund Naturschutz im Landkreis.
Dazu stehe die seit √ľber 20 Jahren erfolgreiche Arbeit des BN zum Schutz der Amphibien im Kreis zur Disposition. Die Betreuung der Amphibienwanderung an den Stra√üen w√§re ohne die finanzielle Unterst√ľtzung der vielen ehrenamtlichen Helfer kaum m√∂glich.
Arbeitsplätze bedroht
Die K√ľrzungspl√§ne im Vertragsnaturschutz- und Landschaftspflegeprogramm bedrohten Arbeitspl√§tze. Mancher Landwirt habe erst investiert. Neue Vertr√§ge im Vertragsnaturschutz w√ľrden nicht mehr abgeschlossen, bestehende sollten nicht verl√§ngert werden. So zerst√∂rt der Schnellschuss des Ministerpr√§sidenten nach Ansicht des BN das m√ľhsam aufgebaute Vertrauensverh√§ltnis zu den Bauern. Was bleibt vom ‚Äěbayerischen Weg“ im Naturschutz, der so viel Wert auf freiwillige Nutzungsvereinbarungen anstatt hoheitliche Anweisung legte? ‚ÄěWer auf Freiwilligkeit setzt, muss die finanziellen Anreize erhalten“, meint J√ľrgen Thein, Biologe bei der BN-Kreisgruppe Ha√überge. Der BN fordert intelligente Reformen und den Erhalt bew√§hrter Strukturen.

NP 20.08.2003
Pressemitteilung des Landratsamtes Haßberge

Landschaftspflege 2003 im Landkreis Haßberge

Landkreis Ha√überge. Im Landkreis Ha√überge wurden und werden in diesem Jahr 140 Landschaftspflegema√ünahmen auf ca.  190 ha wertvollen Biotopfl√§chen im Gesamtwert von ca. 300 000 ‚ā¨ durchgef√ľhrt. Die meisten Auftr√§ge wurden bereits an den Maschinenring Hassgau e.V. erteilt und viele Ma√ünahmen wurden schon durchgef√ľhrt.

Pflegema√ünahmen werden dort notwendig, wo sich die Landwirtschaft aus der Bewirtschaftung zur√ľckgezogen hat, weil die Fl√§chen zu steil oder zu nass sind um sie mit den heute √ľblichen Maschinen bearbeiten zu k√∂nnen oder der Boden so mager ist, dass kaum ein Ertrag zu erwirtschaften ist.
Einerseits gibt es auf noch bewirtschafteten Fl√§chen die Vertr√§ge im Rahmen des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm und des Bayerischen Kulturlandschaftsprogramms, √ľber die eine naturvertr√§gliche Nutzung gef√∂rdert wird. Dagegen sind die im Auftrag des Landkreises veranlassten Arbeiten auf nicht mehr bewirtschafteten Grundst√ľcken genauso unerl√§sslich f√ľr die Erhaltung unserer gewachsenen Kulturlandschaft mit ihren vom Menschen geschaffenen Biotopfl√§chen wie halbtrockenrasen, Feuchtwiesen, alten Weinbergen und Streuobstwiesen.
Der Landkreis Ha√überge besitzt aufgrund des regionalen Klimas, der Geologie und der kleinteiligen Eigentumsverh√§ltnisse (Realteilungsgebiet) √ľberdurchschnittlich viele Trockenbiotope, die sich vor allem entlang des Hassberg- und Steigerwaldanstieges aneinander reihen. Zahlreiche vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten sind auf diese Lebensr√§ume angewiesen. Eine Auflassung, Verbuschung und letztendlich die Entstehung neuen Waldes auf diesen Jahrhunderte lang offenen Fl√§chen w√ľrde die Artenvielfalt erheblich reduzieren und das typische, reizvolle Landschaftsbild unserer Gegend negativ ver√§ndern.
Der Landkreis erh√§lt zur Durchf√ľhrung der Ma√ünahmen von verschiedenen Seiten F√∂rdergelder, je nach der Lage der Pflegefl√§chen:

- Innerhalb der Grenzen des Naturparks Haßberge vom Naturpark Haßberge e.V.,

- innerhalb der Grenzen des Naturparks Steigerwald vom Naturpark Steigerwald e.V.,

- und außerhalb der Naturparkgrenzen von der Regierung von Unterfranken.

- Die Ma√ünahmen innerhalb der Grenzen von Naturschutzgebieten f√ľhrt das Landratsamt  Ha√überge als sogenannte "eigenstaatliche Ma√ünahmen" durch, d.h. das Landratsamt handelt hier im Auftrag des Freistaates Bayern, bzw. der Regierung von Unterfranken, die f√ľr die Naturschutzgebiete verantwortlich ist.

F√ľr die Pflege der Naturschutzgebiete muss der Landkreis daher auch keinen Eigenanteil bei den Pflegekosten aufbringen. Allerdings erh√§lt der Landkreis seit letztem Jahr keinen Personalkostenanteil mehr f√ľr Planung und Abwicklung der Ma√ünahmen in Naturschutzgebieten. Die Personalkosten muss der Landkreis voll tragen, dadurch ist eine zus√§tzliche Mehrbelastung entstanden, die aber unvermeidlich ist. 
Insgesamt konnte das Niveau des Vorjahres bei den finanziellen Aufwendungen von ca. 300.000,- ‚ā¨ gehalten werden. Der Eigenanteil des Landkreises betr√§gt hierbei ca. 73.000,- ‚ā¨, der Rest besteht aus den Mitteln aus den verschiedenen F√∂rdert√∂pfen.
Viele geplante Erstpflegema√ünahmen konnten jedoch nicht durchgef√ľhrt werden, weil wegen der Sparma√ünahmen der √∂ffentlichen Hand die ben√∂tigten Haushaltsmittel nicht bereit gestellt werden konnten. Durch die finanzielle Situation der √∂ffrentlichen Haushalte zeichnet sich daher eine gegenl√§ufige Entwicklung ab: Einerseits steigt die Zahl der pflegebed√ľrftigen Fl√§chen j√§hrlich, andererseits stagnieren die finanziellen Mittel.
Der Landkreis Ha√überge verzichtet bewusst auf einen Landschaftspflegeverband. Die Pflegema√ünahmen werden dagegen von einer beim Landkreis angestellten Fachkraft geplant und veranlasst, die direkt bei der unteren Naturschutzbeh√∂rde im Landratsamt angesiedelt ist. Die Landschaftspflegema√ünahmen werden bis auf wenige Ausnahmen bei Landwirten in Auftrag gegeben. Der Maschinen- und Betriebshilfering Hassgau e.V. leistet hier eine wichtige Vermittlungst√§tigkeit und √ľbernimmt au√üerdem die Abrechnung der Ma√ünahmen.
Etwa 40 Landwirtschaftliche Betriebe aus dem Landkreis beteiligen sich j√§hrlich an Landschaftspflegema√ünahmen. Viele erwirtschaften √ľber die Auftr√§ge aus der Landschaftspflege ein nicht unerhebliches Zusatzeinkommen. Gerade in dem sehr trockenen Jahr 2003 mit den entsprechenden Verlusten in der landw. Produktion ist ein solches Zusatzeinkommen bei beteiligten Betrieben willkommen.
√úber die reine, "technische" Landschaftspflege hinaus, versucht der Landkreis steuernd einzugreifen, um die Pflegefl√§chen wieder in eine naturschutzvertr√§gliche Nutzung einzubeziehen und so ihren Fortbestand mit m√∂glichst wenig Finanzmitteleinsatz zu gew√§hrleisten. Das kann beispielsweise durch Konzepte f√ľr extensive Beweidung geschehen. Im Rahmen der derzeitigen landwirtschaftlichen Entwicklungen bereitet diese Aufgabe die meisten Probleme, weil beispielsweise die dazu n√∂tigen Betriebe immer weniger werden.
Auf den wieder regelm√§√üig gepflegten Biotopfl√§chen finden viele seltene Pflanzen und Tiere ihren Lebensraum. Dar√ľber hinaus bleibt das den Landkreis in weiten Teilen pr√§gende, durch kleinb√§uerliche Bewirtschaftung entstandene Landschaftsbild erhalten.

Zauneidechsen an warmem S√ľdhang eines Weinberges

FT 25.09.2003 
Da gibt es nichts zu meckern 
Experiment zur Ziegenbeweidung bei Königsberg erfolgreich beendet
 
K√ĖNIGSBERG. Seit Ende 2000 weidete an den H√§ngen der Wart eine halbwilde Ziegenherde. Sie war Hauptakteur eines Forschungsprogramms. Nunmehr ist das Experiment, erfolgreich √ľberdies, abgelaufen. Doch die Beweidung wird auf privater Basis fortgesetzt.

M√§√§√§h, m√§√§√§h – ist es der Abschiedsschmerz, der manche Ziegen laut meckern l√§sst, als sie Mitarbeiter der Zuchtanstalt Witzenhausen in dem Pferch fangen und zu Josef Klemm √ľber den Zaun heben? Das Projekt ‚ÄěZiegen f√ľr die Landschaftspflege“ ist nach mehr als dreieinhalb Jahren abgeschlossen. Mit einer Ziegenherde simulierten Wissenschaftler die urspr√ľngliche Form der Landbewirtschaftung, die extensive Beweidung von Hanglagen.
300 000 Euro lie√ü sich das Bundesministerium f√ľr Bildung und Forschung dieses Experiment kosten, um kosteng√ľnstige Alternativen zur heute √ľblichen (Maschinen-)Pflege von Trockenstandorten zu finden. Die √∂kologische Forschungsstation der Universit√§t W√ľrzburg in Fabrikschleichach f√ľhrte das Forschungsprogramm an der Wart in K√∂nigsberg durch. Forschergruppen von den Universit√§ten in Oldenburg und Marburg sowie dem Unweltforschungszen-trum Leipzig waren ebenso am Projekt beteiligt wie die Regierung von Unterfranken und die Untere Naturschutzbeh√∂rde des Landratsamtes Ha√überge.
Die Stadt K√∂nigsberg hatte f√ľr das Projekt 7,2 Hektar Hangfl√§che rund um die Wart gepachtet und mit einem 1,8 Kilometer langen Zaun versehen. Eine halbwilde Ziegenherde, zun√§chst bestehend aus 13 Muttertieren und sechs L√§mmern, allesamt Witzenhauser Landschaftsziegen, √ľbernahm die Bewirtschaftung des Gebietes. Die Ziegen waren das ganze Jahr am Hang und sollten auch im Winter ungef√ľttert bleiben.
Dreimal in der dreij√§hrigen Projektzeit kam der Bock und sorgte f√ľr Nachwuchs. Aus den 19 Tieren wuchs die Herde schnell auf √ľber 50 Ziegen an. Trotz des halbwilden Ziegencharakters war die Hilfe von Menschen n√∂tig. Vor allem das fehlende Wasser musste t√§glich in Kanistern herbeigeschafft werden. Dazu galt es, L√ľcken im Zaunsystem aufzusp√ľren.
Urspr√ľnglich war dieser Part f√ľr Mitarbeiter der Lebenshilfe gedacht. ‚ÄěFast zu schwierig“, so Hilmar Schraub, verantwortlicher Leiter f√ľr das Ziegenprojekt bei der Lebenshilfe. Doch Helene R√ľmer, bei der Forschungsstation f√ľr die Ziegen verantwortlich, fand eine Freiwilligengruppe bei den ‚ÄěAlten Herren“ des TV Ha√üfurt. Flei√üig wurde das Terrain an der Wart auch von der Wissenschaft genutzt. Immer wieder sah man Botaniker mit der Lupe am Boden herumkriechen, mit K√§schern Schmetterlinge und Insekten fangen. Acht Doktorarbeiten wurden auf dem Gel√§nde erledigt, dazu kamen etliche Diplomarbeiten. Die wissenschaftliche Auswertung des Gesamtprojektes ist noch nicht ver√∂ffentlicht. Doch es hei√üt, so war zu erfahren: ‚ÄěExperiment gelungen“.
Was aber tun mit 44 Ziegen? Der Grundstock der Herde war ohnehin nur geleast. Die Witzenhauser Zuchtanstalt bekam 24 Ziegen zur√ľck. Die restlichen 20 wurden unter den Helfern aufgeteilt. Doch f√ľr zehn wird es ein Wiedersehen mit ihrer Wart-Weide geben. Josef Klemm, Sch√§fer aus Hofstetten, hat diese gekauft und damit seinen Ziegenbestand auf 28 erh√∂ht. Zusammen mit seinen 280 Schafen will er das Weideland an der Wart pflegen. gs

Landschaftspflege auf vier Beinen

FT 28.05.2003
Kreis will Ziegenbeweidung st√ľtzen
Umweltausschuss besichtigte Naturschutzprojekt bei Königsberg

K√ĖNIGSBERG. Im dritten Jahr schon halten die Ziegen auf der ,,Hohen Wart" bei K√∂nigsberg den Wildwuchs des Strauchwerks knapp. Heuer l√§uft das Bundesforschungsprojekt aus.
Der Landkreis will, wie Landrat Rudolf Handwerker bei der Besichtigung durch die Mitglie¬≠der des Kreistag-Umwelt- und Werkausschusses am Dienstag erl√§uterte, diese neue Art der Landschaftspflege an der ,,Ho¬≠hen Wart" weiterf√ľhren - mit der Neuz√ľchtung der ,,Witzenh√§user  Landschaftspflegeziege", einer robusten Rasse. Den Landkreis kostete die Pflege dieses Naturschutzbereiches in den drei Jahren nichts. Die Gel¬≠der f√ľr dieses Forschungspro¬≠jekt zum Naturschutz (mehrere Universit√§ten sind im , ,Mosaik-Projekt" verbunden), dessen offizielle Leitung die √Ėkologi¬≠schen Forschungsstation der Uni W√ľrzburg in Fabrikschleichach vor Ort inne hat, gab der Bund. Unterst√ľtzt wurden die Akademiker durch die Lebenshilfe Sylbach und den Helferkreis, die die Betreuung der Tie¬≠re auf der Wart und im Winter im Hof √ľbernahmen. Denn die Ziegen sind trotz der Zucht noch nicht g√§nzlich ,,Selbstversorger". So f√§llt etwa Klauenpflege an, wenngleich einige Kletterfelsen in das 7,4 Hektar gro√üe, eingez√§unte Areal gekarrt wurden, und in den har¬≠ten Wintermonaten m√ľssen die Tiere in den Stall, weil in der kalten Zeit der Nachwuchs ge¬≠boren wird. Zwischenzeitlich tummeln sich rund 30 Mutter-Ziegen, B√∂cke und mindestens nochmals so viele L√§mmer und machen sich n√ľtzlich. Denn sie lassen keine Verbuschung auf¬≠kommen und erhalten so die Artenvielfalt auf dem Magerrasen. Eine g√ľnstigere Landschaftspflege als gegen√ľber am Schlossberg.
Wie Claus Haubensack vom Landratsamt (Naturschutzbeh√∂rde) erkl√§rte, ist die Lebens- -hilfe grunds√§tzlich bereit, wei¬≠terzumachen. Es m√ľssten aber noch Gespr√§che laufen mit der Regierung zur Abkl√§rung der Kosten (zust√§ndig f√ľr Naturschutzgebiet ,,Hohe Wann").
Der Kreis hat insgesamt 200 Hektar mit 950 Grundst√ľcken und 800 Eigent√ľmern im Landschaftsschutzprogramm, in das (ohne Vertragsnaturschutz mit Bauern) 300000 Euro flie√üen. ,,Das funktioniert so lange, wie der Staat bereit ist, die Finanzmittel daf√ľr bereitzustellen", bemerkte Landrat Handwerker. Wegen Topografie und Bodenbeschaffenheit geben viele Ei¬≠gent√ľmer die unrentable Bewirtschaftung auf, so dass den artenreichen Fl√§chen die Ver¬≠wilderung droht. Jochen Bopp

FT 19.02.2003

Bei K√∂nigsberg laufen f√ľr die Ziegenbeweidung im bundesweiten Mosaikprojekt die F√§den zusammen

KREIS HASSBERGE. Die wenigsten, die die Ziegen auf der Wart bei K√∂nigsberg sehen, wissen, welches Netzwerk sich dahinter verbirgt. Schlicht benannt als Ziegen-Mosaikprojekt. Es l√§uft im Herbst aus, und noch sind die Ergebnisse auf dem Papier nicht aufgelistet, doch k√∂nnte es sein, dass das Projekt die Weichen f√ľr moderne Landschaftspflege stellt.

von Brigitte Krause

Wissenschaft und Alltag – in kaum einem anderen Projekt im Kreis d√ľrften diese Welten so aufeinandergesto√üen sein wie hier. Finanziert von ganz oben, dem Bundesforschungsministerium, besch√§ftigen sich Naturwissenschaftler von f√ľnf Universit√§ten aus ganz Deutschland mit diesem 7,2 Hektar gro√üen Fleckchen Erde – dazu eine kleine Gruppe der Lebenshilfe Sylbach und eine Handvoll Ha√üfurter.

Eine ganze Menge schlauer Köpfe am Werk

W√§hrend die Z√ľchter der Uni Kassel/Witzenhausen an ihrer robusten Landschaftspflegeziege t√ľfteln, einem Gemisch aus Bunter Deutscher Edelziege , Buren- und Kaschmirziege, recherchieren Biologen und Zoologen (vom Biozentrum der Uni W√ľrzburg, dem Umweltforschungszentrum Leipzig und der Uni Oldenburg), welchen Einfluss die Ziegenbeweidung auf Flora und Fauna hat. Dazu rechnet ein Agrar√∂konom (Uni Rostock) aus, wie sich deren Kosten zu der ‚Äěalthergebrachten“ und im Naturschutz √ľblichen einmaligen Mahd oder dem Fr√§sen der Fl√§che mittels Motorfr√§se (das bremst die Verbuschung) verhalten. Sie alle k√∂nnten ihre Forschungsarbeit, die immerhin bis zur Simulation biologischer Modelle am Computer reicht, nicht tun, z√∂gen nicht die Verantwortlichen der Unteren Naturschutzbeh√∂rde im Landkreis, der Obere Naturschutz W√ľrzburg und die Stadt K√∂nigsberg als Koordinator f√ľr die √ľber 40 Grundst√ľckseigent√ľmer an einem Strang.

Bei der Aufz√§hlung aller Beteiligter geht einem leicht die Puste aus, da ist schnell jemand vergessen. Zum Beispiel Pia Hornung, in deren Stallung in Steinbach die 43 Witzenh√§user Landschaftsziegen gegenw√§rtig √ľberwintern. Dort bekommen die Tiere gerade jetzt ihren Nachwuchs – ‚Äěund dann gibt's ein Gewusel,“ freut sich Pia Hornung.

Das war im ersten Projektjahr anders: Heulen und Z√§hneklappern. Warum? Urspr√ľnglich hatten die Wissenschaftler die ganzj√§hrige Ziegenbeweidung erproben wollen. Vor allem, weil im Winter, wenn die Ziegen hungrig sind, sie die n√§hrstoffreichen Knospen der Wildb√ľsche und Str√§ucher abbei√üen und damit das Gel√§nde freihalten. So bleibt Platz f√ľr seltene Kr√§uter und Pflanzen, die ihrerseits ganz bestimmte Insekten- und Falterarten nach sich ziehen. Nat√ľrliche Landschaftspflege im ‚ÄěGarten Eden“ also, ohne teure technische Ma√ünahmen, gleichzeitig vertr√§glich mit den strengen Reglementierungen im Naturschutzgebiet.

Immer unter fachlichem Beistand des Tierarztes
Die Idee ist gut, aber in der Praxis sah zuerst einiges ganz anders aus. Gar nicht zu reden von manch kritischer Stimme, die die ‚Äěharte“ Tierhaltung bem√§ngelte. Doch hier hatten die Projektverantwortlichen vorgebaut: ‚ÄěWir hatten zu jedem Zeitpunkt den Tierarzt dabei“, betont Dr. Elisabeth Obermaier, die f√ľr das Biozentrum der Uni W√ľrzburg an deren √Ėkologischer Au√üenstation in Fabrikschleichach die Projektkoordination inne hat. Die Ziegen blieben also im ersten Jahr drau√üen und bekamen dort ihre Zicklein, von denen einige nicht √ľberlebten, weil sie der Fuchs holte. Immerhin 24 Jungtiere kamen durch. Trotzdem traurig waren die Helfer aus der Behindertenwohngruppe der Lebenshilfe Sylbach, die von Anfang an mit der Betreuung beauftragt war. Hilmar Schraub, bei der Lebenshilfe der Ansprechpartner f√ľr das Ziegenprojekt, erinnert sich daran, als man Neuland beschritt. Nicht nur die Behinderten, die f√ľr die Wasserversorgung, den Zaun, die Klauenpflege, eventuelle Wundversorgung und das Z√§hlen der Herde zust√§ndig waren. Auch Ziegenz√ľchter, die man befragte, wussten nicht, dass sich Ziegen in freier Natur wie die Rehe verhalten, wenn sie Junge bekommen. Das sorgte n√§mlich am Anfang f√ľr Verwirrung; Schraub: ‚ÄěWir haben erst nicht durchgeblickt und waren v√∂llig verunsichert.“ Die besorgten Betreuer fanden die Neugeborenen in der Flur, die M√ľtter bei der Herde. Man trug die Kinder den M√ľttern nach. Inzwischen wissen die Helfer, dass sich in freier Natur die Mutter nach einer Weile von der Herde absondert und ihr Junges versorgt.

Wenn Hilmar Schraub heute zur√ľckblickt, zieht er als Res√ľmee: Es ist eine Bereicherung. Nach der Arbeit in den Behindertenwerkst√§tten Augsfeld kommt man im Wohnheim zum Kaffee zusammen, dann brechen (fr√ľher t√§glich, aber jetzt im Wechsel mit dem Ha√üfurter Helferkreis) vier bis f√ľnf Freiwillige mit dem Kleinbus auf. Es hat sich schon ein kleiner Kreis Begeisterter zusammengefunden. Werner Kilian oder Sven Rink. Sie wissen ganz genau, was alles in den Bus gepackt werden muss: Wasser, etwas Hafer zum Anlocken, Utensilien zur Klauenpflege und Desinfektionsspray, wenn sich eine Ziege mal verletzt hat. Das Z√§hlen ist wichtig, und das regelm√§√üige Beschneiden der Klauen. Denn Ziegen stammen vom Steinbock ab, und der f√ľhlt sich am wohlsten auf steinigem Untergrund. Daher liegt auf der Wart ein gro√üer Haufen Steine, auf dem die Ziegen gerne herumturnen.

Mittlerweile haben sich die Lebenshilfe-Betreuer schon eine ganze Menge Wissen angeeignet und, wie Hilmar Schraub sagt, ‚Äěgro√üe Lernprozesse“ bew√§ltigt. Das gilt auch f√ľr die Ziegen, die ‚Äěihren“ Bus am Hupen erkennen und sich von den scheuen Wilden in fast handzahme Haustiere verwandeln. Gelernt haben die Behinderten, wie sie gemeinsam der ‚ÄěZiegenbande“ Herr werden, denn die dr√ľckt sich gerne vor dem Klauenschneiden und muss daher erst in den daf√ľr angelegten engen Pferch getrieben werden.

Abgesehen von den Unbilden des Wetters oder anderen Umst√§nden (‚ÄěDer Bock stinkt!“, sagten etliche naser√ľmpfend, nachdem das m√§nnliche Zuchttier zum Decken der Gei√üen zur Herde gebracht worden war) hat man im Zusammenspiel mit dem Helferkreis nun schon den Bogen raus und w√ľrde gerne weitermachen, wenn das Problem Finanzen gekl√§rt w√§re. Denn, auch wenn es nur drei bis vier Mal in der Woche ist, es bleiben pro Fahrt 15 Kilometer hin und zur√ľck, und die kosten eben Geld, das die Lebenshilfe in Sylbach nicht hat. W√§re dieser leidige Punkt gekl√§rt, w√ľrden die Behinderten sich gerne weiter um ‚Äěihre“ Ziegen bei K√∂nigsberg k√ľmmern.

Dass das Ziegenprojekt auf der Hohen Wart weitergef√ľhrt w√ľrde, das w√ľnschten sich auch die beh√∂rdlichen Natursch√ľtzer, best√§tigt Klaus Haubensack vom Landratsamt Ha√überge. Die Ziegenbeweidung im Naturschutzgebiet sei ‚Äěf√ľr uns hochinteressant“, sagt Haubensack auch f√ľr Martin Heidler von der Oberen Naturschutzbeh√∂rde in W√ľrzburg. Wichtig f√ľr den Naturschutz sei es, dass in der Landschaftspflege eine ‚Äěgewisse Nutzung“ enthalten sei. Hier befindet sich, wie aus Haubensacks Worten deutlich wurde, der Naturschutz im Fluss. Eine m√§chtige Bewegung haben wohl alle Beteiligten seit dem schweren ersten Projektjahr mitgemacht, jedoch auch viel gelernt.

Ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt ist Helene R√ľmer, Mitarbeiterin der √Ėkologischen Station Fabrikschleichach. Mehr als einmal rief sie die Lebenshilfe an, wenn die schlauen Ziegen auf der Suche nach Leckerbissen wieder √ľber den Wildzaun geklettert waren. Der war eh schon ein Kompromiss (denn in Naturschutzgebieten ist die Koppelhaltung von Tieren nicht erlaubt) und anfangs in enger Absprache mit der Naturschutzbeh√∂rde in seiner H√∂he verringert worden, um das Untersuchungsgebiet nicht k√ľnstlich ‚Äěabzudichten“.

Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg ...
‚ÄěDoch wo ein Reh dr√ľberkommt, kommt auch eine Ziege r√ľber,“ so Helene R√ľmer, die, nachdem die Ziegen auch die √ľber den Zaun gespannte Elektrolitze √ľberwunden hatten, erst einmal mit ihrem Latein am Ende war. Ihre z√ľndende Idee, wie sie im R√ľckblick feststellt, war der Helferkreis in Gestalt von Josef Hornung und seinen Freunden. Gemeinsam im TV Ha√üfurt engagiert, sprach Helene R√ľmer mit Hornung, der sich f√ľr das Ziegenprojekt erw√§rmte.

Und die Nuss knackte. Hornung, bekannt von seinem Mitwirken im Ha√üfurter ‚ÄěHasenterzett“, knobelte mit Helene R√ľmer eine haltbare Zaunkombination aus mit Hilfe von Fahrradgummi, h√∂lzernen Abstandhaltern und ‚ÄěSeppers Haselnussstecken“. Und ein Zaun ist aus einem weiteren Grund wichtig: Denn in einem naturgesch√ľtzten Gebiet soll kein N√§hrstoffeintrag erfolgen, um die Natur nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Daher d√ľrfen die Ziegen den Hafer nur in ganz geringen Mengen (zum Heranlocken) bekommen und sollen, auch wenn's gut gemeint ist, kein Extraleckerle erhalten. Denn der Ziegenmist d√ľngt ja wieder das Gel√§nde, und das darf nicht √ľberd√ľngt werden, um bestimmte Pflanzenarten nicht zu ‚Äěvertreiben“.

Nachdem das zweite Projektjahr 2002 viel besser verlief, ist heute Projektkoordinatorin Dr. Elisabeth Obermaier sehr zuversichtlich, dass die mit den Daten ‚Äěgef√ľtterten“ acht Doktoranden an vier Universit√§ten brauchbare Arbeiten abliefern: ‚ÄěDas Projekt hat unsere Erwartungen erf√ľllt.“ Vergleichsfl√§chen zu der Ziegenbeweidung waren angelegt worden, die zum einen wie gewohnt mit einmaliger Mahd, zum anderen nach der Fr√§smethode bearbeitet wurden. Mit den technischen Methoden hielten die Ziegen locker mit: ‚ÄěDie verbei√üen wunderbar die schlimmsten Schlehenb√ľsche“, so Dr. Obermaier. Durch den Verbiss blieb das Gel√§nde offen, die ‚ÄěFleckenhaftigkeit“ der Pflanzenwelt auf dem Halbmagerrasen erhalten. Untersucht wurden zum Vergleich die Populationszahlen von Tagfaltern, Bienen und Wespen, Heuschrecken und Spinnen.

Als pers√∂nlich besonders bereichernd empfindet die Expertin den j√§hrlich einmal stattfindenden ‚Äěrunden Tisch“, an dem sich alle Beteiligten zusammensetzen – demn√§chst am 24. Februar. Dieser Erfahrungsaustausch der Forscher mit den Praktikern ist sehr fruchtbar und sinnvoll, weil er herausf√ľhrt, aus dem ‚Äěelfenbeinernen Turm“.

Jetzt wird alles genau durchgerechnet
Inwieweit sich die Ziegenbeweidung einmal tats√§chlich f√ľr bestimmte Naturschutzbereiche einb√ľrgern und durchsetzen k√∂nnte, das kommt sicher noch auf den Agrar√∂konomen an der Uni Rostock an. Die betriebswirtschaftlichen Berechnungen von Professor Hans K√∂gl k√∂nnten vielleicht irgendwann einmal den einen oder anderen Landwirt zur Ziegenbeweidung √† la K√∂nigsberg inspirieren. Schlie√ülich d√ľrfte sich das naturreine Ziegenfleisch wegen seiner Qualit√§t bei ern√§hrungsbewussten Verbrauchern gut vermarkten lassen. Anfragen hat Helene R√ľmer jedenfalls schon. Nicht nur von Privatleuten, sondern auch aus der gehobenen Gastronomie. Aus der Natur f√ľr die Natur – da schmeckt der Braten doch noch einmal so gut.

Das Bild von den 4 Zickleins wurde aus der Homepage von Helene R√ľmer entnommen: http://ruemer.schnell-im-netz.de

Seltenes Kraut bei Bundorf entdeckt
FT 11.08.2001

Der Standort ist ein Magerrasenbiotop, das durch Landschaftspflege wieder hergestellt worden ist
KREIS HASSBERGE. Den sichtbaren gro√üen Erfolg f√ľr eine Landschaftspflegema√ünahme pr√§sentiert die Untere Naturschutzbeh√∂rde im Landratsamt. Am S√ľdhang des G√§rtenberges in der Gemarkung Neuses (Gemeinde Bundorf) wurde eine √§u√üerst seltene Pflanze entdeckt, die seit 80 Jahren in der ganzen Region nicht mehr nachgewiesen worden ist: das Gabel-Leimkraut (Silene dichotoma).
F√ľr den Diplom-Biologen Otto Elsner, der seinerzeit f√ľr den Landkreis Ha√überge die Biotopkartierung erstellt hat, ist das W√§rme liebende Kraut eine kleine botanische Sensation. "Das Gabel-Leimkraut bevorzugt unged√ľngte, n√§hrstoffarme, sehr trockene und warme Standorte, wie sie in Deutschland nur sehr selten zu finden sind", wei√ü der Experte. Die wei√übl√ľhende und etwa 60 bis 80 Zentimeter hohe Pflanze sei daher im √∂stlichen Mittelmeerraum h√§ufiger zu finden als hierzulande.
Wegen seiner Vorliebe f√ľr hei√üe und karge Standorte ist das Gabel-Leimkraut f√ľr Elsner gleichzeitig der botanische Beleg, dass die S√ľdh√§nge des oberen Baunachtales, wozu der G√§rtenberg z√§hlt, einzigartige Standorte f√ľr Magerrasenbiotope darstellen. Gerade diese insekten- und kr√§uterreichen Blumenwiesen sind es ja, f√ľr die der Landkreis Ha√überge in den Naturschutzkreisen ber√ľhmt ist.
Die zust√§ndige Fachkraft f√ľr Landschaftspflege im Landratsamt, Claus Haubensack, berichtet N√§heres von diesem Gebiet im n√∂rdlichen Ha√übergekreis. Die pflanzenkundlich hochinteressanten Fl√§chen geh√∂rten zum √úbergang zwischen den Naturr√§umen Ha√überge und Grabfeld. "Der S√ľdhang des G√§rtenberges, auf dem das seltene Gabel-Leimkraut gefunden wurde, war fr√ľher Teil eines durchgehenden Biotopsystems mit Magerrasen, der als Gr√ľnland bewirtschaftet wurde."
Dieses Biotop zog sich an der s√ľd√∂stlichen Hangkante des Baunachtales als schmaler Streifen von Neuses √ľber die Gemarkung Bundorf bis zur Landkreisgrenze." Die trockenen und kargen Hangwiesen waren f√ľr die Bauern aber allm√§hlich zu wenig ertragreich und wurden teilweise bereits vor Jahrzehnten nicht mehr gem√§ht. Die Folge war, dass sie allm√§hlich verbuschten und inzwischen gro√üenteils mit einem meterhohen Gestr√ľpp haupts√§chlich aus Hartriegel und Schlehe, teilweise aber auch mit wilden Rosen sowie Zwetschgen-, Kirschen-, Apfel- oder Birnenwildlingen bedeckt sind.
In dem Teil des G√§rtenberges, der in der Gemarkung Bundorf liegt, wurde das fr√ľhere Magerrasenbiotop dicht mit Kiefern aufgeforstet, die aber nur vor sich hink√ľmmern. 1994 wurde ein etwa zwei Hektar gro√ües Areal am G√§rtenberg im Rahmen der Landschaftspflege im Auftrag des Landratsamtes entbuscht und seither einmal im Jahr im Sp√§tsommer gem√§ht.
Bisher wurden f√ľr diese Ma√ünahme 60000 Mark ausgegeben. Die Landwirte, die die Pflege als Mitglieder des Maschinenrings Ha√ügau in ihrer Obhut haben, konnten dadurch einen Zusatzverdienst erzielen.
Bei der Entbuschung wurden einzelne Hecken und Obstgeh√∂lze stehen gelassen , so dass der Hang einen abwechslungsreichen Anblick bietet. Mittlerweile pr√§sentieren sich die Magerwiesen selbst f√ľr das Auge des unbedarften Wanderers besonders im Fr√ľhjahr und im fr√ľhen Sommer als wahre Bl√ľtenteppiche in vielen Farben, mit Acker-Wachtelweizen, √Ėsterreichischem Lein, Hirsch- Haarstrang, Echtem Tausendg√ľldenkraut, Glockenblumen, Jakobskraut, Margeriten, Kart√§usernelken, Flockenblumen, verschiedenen Distelsorten und anderen Pflanzen. Dem Botaniker zeigen die wieder hergestellten Wiesen am G√§rtenberg wieder den alten Artenreichtum mit √ľber 100 Sorten von Gr√§sern, Kr√§utern und anderen Bl√ľtenpflanzen.
Das belege, wie erfolgreich die Landschaftspflegema√ünahme in nur sieben Jahren gewirkt habe, meint Haubensack. Biologe Otto Elsner erg√§nzt: "Das Gabel-Leimkraut ist der greifbare Beweis daf√ľr."

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