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Naturschutz

BUND Naturschutz Ebern

Hornissen - friedliche Untermieter

In diesen Wochen hĂ€ufen sich besorgte Anfragen wegen Hornissen. Anlass fĂŒr den Bund Naturschutz Ebern, ĂŒber diese eindrucksvolle Tierart zu informieren, Vorurteile auszurĂ€umen und zu ihrem Schutz aufzurufen.
Mit drei bis vier Zentimeter LĂ€nge ist die Hornisse das grĂ¶ĂŸte staatenbildende Insekt Mitteleuropas. Sie ernĂ€hrt sich von Insekten, darunter Fliegen, Bremsen und auch Wespen, die dem Menschen unangenehm oder listig sind sowie von solchen PflanzensĂ€ften aus Fall­obst und Baumrinden. Ein Hornissenvolk kann pro Tag bis zu einem Pfund Insekten vertilgen. Die wehrhaften Hornissen sind eine Art Naturpolizei im Ökosystem, die fĂŒr natĂŒrliche Regulationsprozesse bei Insekten eine wichtige Rolle ausĂŒbt.
Zudem seien Hornissen rar geworden in unserer inten­siv genutzten Landschaft. RĂŒckgangsursachen sind die Umwandlung von Laub- in NadelwĂ€lder, Abholzung alter und hohler BĂ€ume und die Anwendung von Pestiziden, was LebensrĂ€ume und NistplĂ€tze zerstöre. Die Hornisse werde in der Roten Liste bedrohter Tiere in Bayern als gefĂ€hrdet aufgefĂŒhrt und zĂ€hle zu den geschĂŒtzten Tierarten der Bundesartenschutzverordnung. Daher dĂŒrfen Hornissen nicht mutwillig getötet werden und Nester nicht zerstört werden.
Dies zu akzeptieren fĂ€llt vielen MitbĂŒrgern nach Erfahrungen des Bundes Naturschutz nicht immer leicht. Zu hartnĂ€ckig hielten sich leider Vorurteile und Ängste, meist aufgrund der GrĂ¶ĂŸe der Art hervor­gerufen. Unbestritten handele es sich bei der Hor­nisse um ein wehrhaf­tes Tier, dessen Stich Schmerzen verursacht. Dass aber Men­schen oder sogar Pferde durch wenige Hornissenstiche getötet werden können, gehört nach allen wissenschaftlichen Untersuchungen in den Bereich der Sage Tatsache ist, dass Hornissenstiche nicht gefĂ€hrlicher sind als Stiche von Honigbienen, Hummeln oder Wespen und dass sich Hornissen wesentlich scheuer und berechenbarer verhalten als z.B. Honig­bienen!
Zudem haben Hornissen keine ausgeprĂ€gte Vorliebe fĂŒr SĂŒĂŸigkeiten: am Kaffeetisch oder an einer Limonadenflasche trifft man Hornissen nicht an.
Große Gefahr drohe allerdings wie bei Bienen und Wespen bei Stichen im Mund- und Rachenraum - nicht wegen der unmittelbaren Giftwirkung, sondern aufgrund der damit verbundenen Schwellung.

Der Bund Naturschutz gibt daher folgende konkrete RatschlÀge:
Nur in einem Bereich von etwa vier Metern um das Nest reagieren Hornissen auf Störungen empfindlich. An diesen imposanten Hornissenburgen, den bis zu 50 Zentimeter hohen Nestern, darf man nicht am Einflug­loch manipulieren, die Waben erschĂŒttern, in das Nest hineinatmen oder die Anflugbahn verstellen. Sehr heftige Bewegungen sind zu vermeiden. Beachtet man diese fĂŒnf Störfaktoren und bewegt sich langsam, kann man in Ruhe und ohne Angst den Hornissen bei ihrer interessanten Arbeit zuschauen. Außerhalb des Nestbe­reichs weichen Hornissen grundsĂ€tzlich durch Flucht aus und sind niemals angriffslustig, da sie ja dort ihr Volk nicht zu verteidigen haben. Wildes „Umsichschlagen“ beim Anblick einer Hornisse sei völlig unbegrĂŒndet und fehl am Platze.
Verfliegt sich eine Hornisse in der DĂ€mmerung einmal in ein Haus, kann man das Tier durch Ausschalten des Lichtes und weites Öffnen des Fensters leicht zum Wegfliegen bringen.
Da natĂŒrliche Nist­möglichkeiten wie Höhlen großer LaubbĂ€ume an WaldrĂ€ndern vielerorts fehlen, weichen Hornissen nach Erfahrungen des Bundes Naturschutz vielfach in den Randbereich von Siedlungen aus, wo sie in ihrer „Wohnungsnot“ Dachböden, Scheunen oder auch VogelnistkĂ€sten beziehen. Hornissen sind selbst in der unmittelbaren NĂ€he von HĂ€usern friedliche Nachbarn und Untermieter. Nur wenn der Bau an einer ĂŒberhaupt nicht tolerierbaren Stelle befindet, kann eine Umsiedelungsaktion erwogen werden. Dies muss unbedingt Spezialisten ĂŒberlassen werden. RatschlĂ€ge gibt die Untere Naturschutzbehörde des Land­kreises Haßberge.
Meist wird man auf Hornissen erst im SpĂ€tsommer und Herbst ĂŒberhaupt aufmerksam. Es ist oft besser, ein­fach bis zum natĂŒrlichen Absterben der Hornissen zu warten. Denn schon im Herbst, bis maximal Ende Oktober, stirbt der gesamte Hornissenstaat ab - nur die Königin ĂŒberwintert allein in Verstecken weit vom Nest entfernt.
FĂŒr den Bund Naturschutz ist die Hornisse ein „urig-elegantes Insekt“ und er hofft, die unbegrĂŒndeten Ängste allmĂ€hlich abbauen zu können. Lassen wir die Hornissen leben und schonen ihre Nester.
Pfiffige Gartenbesitzer nutzen die Hornisse ohnehin schon lange als natĂŒrliche SchĂ€dlingsbekĂ€mpfer, indem sie den Hornissen in ihren GĂ€rten spezielle NistkĂ€sten anbieten!

Wenn Umsetzen/ VerĂ€nderungen am Nesteingang oder andere Manipulationen notwendig sind – bitte hier klicken!

Infos auch unter http://www.hymenoptera.de
Melanie von Orlow – Stand Juli 2000

 

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