Startseite Naturschutz Allgemeines Technischer UWS

Naturschutz

BUND Naturschutz Ebern

Pflanze oder Tier des Monats

Fledermausart: Mausohr (Myotis myotis)

Fotos: Harald Amon

So allerlei wird ihnen nachgesagt. FrĂŒher glaubte man, sie wĂŒrden sich heimlich des nĂ€chtens ĂŒber die Speck- und FleischvorrĂ€te hermachen. Des weiteren fĂŒrchteten langhaarige MĂ€dchen um ihre Haarpracht, denn es hieß, die Tiere verfangen sich auf immer und ewig darin. Am meisten waren sie jedoch in Verruf geraten weil behauptet wurde, sie wĂŒrden mit den Vampiren gemeinsame Sache machen und das Blut von unschuldigen Menschen saugen.
Einer der Pioniere, welcher versuchte mit den aberglĂ€ubischen Behauptungen Schluss zu machen war der 1822 in NĂŒrnberg geborene Andreas Johannes JĂ€ckel. WĂ€hrend seines spĂ€teren Wirkens als Pfarrer widmete er sich vielen eingehenden Studien ĂŒber FledermĂ€use.
Vor allem versucht er Neues ĂŒber die Tiere zu erfahren und war immer wieder bestrebt den Nutzen dieser einzigartigen fliegenden SĂ€uger hervorzuheben.
Er sammelte Einiges an Informationen ĂŒber die geheimnisvollen Flieger. Bereits zu JĂ€ckels Zeit galt das Mausohr (Myotis myotis) als eine der weit verbreitetsten  Fledermausarten in Bayern. Auch heute ist diese Art in Bayern zumindest im Sommer nahezu flĂ€chendeckend verbreitet.
Bei den alljĂ€hrlich stattfindenden Wochenstubenkontrollen im Sommer bekommen die FledermauszĂ€hler sogar diese Art zu Gesicht. Des weiteren finden – auch hier im Landkreis- jeden Winter Bestandskontrollen durch den Arbeitskreis Fledermaus des Bundes Naturschutz in den Winterquartiere statt. Die Verbreitung des Mausohrs im Winter spiegelt die Verteilung der unterirdischen Quartiere sehr gut wieder. In unserer Region finden sich besonders viele dieser Quartiere, besonders in der Frankenalb, in den Hassbergen und im Steigerwald. Durch diese weiß man Kontrollen, dass sich die MausohrbestĂ€nde seit Mitte der 80-er Jahre bayernweit etwas erholt haben. Trotzdem muss man sich weiterhin auch um diese Art sorgen.
WĂ€hrend des Sommers findet man die Wochenstuben dieser Art auch bei uns im Landkreis vor allem in den DachstĂŒhlen von  Kirchen und in KirchtĂŒrmen, seltener auch in Schlössern. In diesem Jahr konnten in solchen GebĂ€uden und sogar in einer Schule wieder ĂŒber 3.000 Mausohren gezĂ€hlt werden. Diese Zahl beziffert jedoch ebenfalls nur einen Bruchteil der ehemals hier lebenden Tiere. Hier findet man vor allem Weibchen, die ĂŒber zweijĂ€hrigen Tiere auch mit ihren Jungen. Jedes Weibchen bringt in der Regel ab Anfang Juni ein Junges zur Welt. Hin und wieder wurden auch schon Zwillingsgeburten beobachtet. Außerhalb der Wochenstubenzeit leben die Mausohren im Sommer allein oder in Kleingruppen zusammen. Die MĂ€nnchen sind im Sommer oft eigenbrödlerisch, sie leben entweder allein oder falls sie doch in Wochenstubenquartieren auftauchen, bevorzugen sie gesonderte HangplĂ€tze.
Im Winter suchen sich die Tiere andere, geschĂŒtztere Quartiere in Bergwerksstollen, Burgruinen. Bei uns im Landkreis stellen vorrangig Felsenkellern den winterlichen Aufenthaltsort dar. Da sie sich gern in tiefen Spalten verkriechen, sind sie jedoch wesentlich schwerer zu entdecken als an den einschlĂ€gigen SommerplĂ€tzen. Insofern nicht genĂŒgend Winterquartiere in der NĂ€he der SommerplĂ€tze vorhanden sind, wandern die Tiere bis zu 200km weit.
Bei der Nahrungssuche kommen LaubwaldbestĂ€nden eine SchlĂŒsselrolle zu. Untersuchungen zeigten sogar, dass die Tiere, wenn möglich, nahezu ausschließlich in LaubwĂ€ldern jagen und NadelwĂ€lder sowie Offenland eher meiden.
Bei uns sind alte Buchen- und BuchenmischwĂ€lder, mit einer dicken Laubstreuauflage und fehlender Kraut- und Strauchschicht charakteristisch fĂŒr Mausohrjagdreviere. Wesentlich ist, dass die Umgebung einen ungehinderten Jagdflug dicht am Boden ermöglicht. Bei der Nahrungssuche stellen Mausohren etwas Besonderes dar. Als einzigste Fledermausart suchen sie am Boden ihre Leckerbissen. Sie fressen im Wesentlichen flugunfĂ€hige LaufkĂ€fer, die sie anhand der KrabbelgerĂ€usche am Boden orten können. Bevorzugt werden große Brocken, ab 1cm KörperlĂ€nge. Bei der Suche nach geeigneten Happen hilft diesen FledermĂ€usen ihr Geruchssinn weiter. Die Beute wird, oft nach kurzem RĂŒtteln, bei einer schnellen Landung mit ausgebreiteten FlĂŒgeln oder direkt aus dem Flug aufgenommen. Gefressen wir hĂ€ufig wĂ€hrend des Flugs mit vernehmlichen Schmatzen.
Mehrere Tiere teilen sich oft ein Jagdrevier. Pro Nacht werden verschiedene Reviere fĂŒr jeweils etwa eine halbe Stunde aufgesucht. So kann der Aktionsraum eines Tieres fĂŒr die Jagd mit mehreren Revieren einige hundert Hektar betragen.
Obwohl das Mausohr eine der hĂ€ufigen Fledermausarten bei uns ist, gibt es jedoch bei weitem kein Grund sich zufrieden zurĂŒck zu lehnen. Bereits seit 1936 stehen diese Tiere unter gesetzlichen Schutz, trotzdem gehen die BestĂ€nde vor allem seit den 50-er Jahren drastisch zurĂŒck. Manche Arten weisen heute nur noch etwa 5-10% ihrer ehemaligen BestandsgrĂ¶ĂŸen auf. Bei uns im Landkreis sind ebenfalls alle der 13 nachgewiesenen Fledermausarten auf der Roten Liste zu finden. HauptgrĂŒnde fĂŒr den RĂŒckgang der seit etwa 50 Millionen Jahren auf unserer Erde lebenden Tiere sind vor allem die immer weiter voranschreitende Einengung ihrer LebensrĂ€ume sowie der stetige RĂŒckgang der Vielfalt unserer Landschaft. Außerdem nimmt auch die Zahl der ungestörten Sommer- und Winterquartiere nach wie vor ab. HĂ€user werden heutzutage so abgedichtet, dass Arten die sich gern in SiedlungsrĂ€umen aufhalten hier kaum noch UnterkĂŒnfte vorfinden. Des weiteren gefĂ€hrden Gifte wie Insektizide und Holzschutzmittel die BestĂ€nde der wendigen Flieger.
Doch seit den 80-er Jahren gibt es Hoffnung fĂŒr das Mausohr und Co.. So gibt es mittlerweile zwei Koordinationsstellen fĂŒr den Fledermausschutz, eine fĂŒr Nord- und eine fĂŒr SĂŒdbayern. Auch die Öffentlichkeitsarbeit rund um die FledermĂ€use hat stark zugenommen. Interessierte Mitmenschen und auch Behörden können sich jederzeit an die Koordinationsstellen wenden und werden dort fachlich korrekt und umfassend beraten. Auch hier im Landkreis finden sie beim Bund Naturschutz, im Arbeitskreis FledermĂ€use, kompetenten Rat zu dieser Tiergruppe. Des weiteren wurden bereits öfters FĂŒhrungen zum Thema Fledermaus von der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz angeboten. Hierbei bekommt man viel ĂŒber die spannende Biologie dieser Tiere erzĂ€hlt und kann die mit unseren Ohren sonst nicht zu vernehmenden Orientierungsrufe im Ultraschallbereich mit Hilfe eines sogenannten „Bat“-Detektors hören.

 

Der Speierling

Er hatte bereits 1993 die Ehre, den Titel „Baum des Jahres“ zu tragen. Bis dahin war der Speierling (SĂłrbus domĂ©stica) ziemlich unbekannt, doch der Titel verhalf der Art zu neuer Prominenz und es wurde viel ĂŒber ihn berichtet. Infolgedessen kam es in Mode Speierlinge zu pflanzen. Allerdings waren die Baumschulen nicht darauf vorbereitet, so dass es zu akuten EngpĂ€ssen mit der Versorgung mit Speierlingsetzlingen kam. Die Baumschulen beschwerten sich, dass sie nicht frĂŒhzeitig informiert wurden, um dem Ansturm gerecht zu werden. Allerdings erfreute sich der Speierling von nun an mehrere Jahre großer Beliebtheit, so dass etwa 600.000 Neupflanzungen erfolgten. Beachtenswert ist dabei, dass es zuvor nur etwa 4.000 AltbĂ€umen in Deutschland bekannt waren. Damit bekam die Baumart neuen Aufwind. Denn besonders problematisch stellte sich lange Zeit die Nachzucht des mediteranen Einwanderers dar, da die sonst ĂŒblichen Baumschulverfahren mit Freilandsaaten missraten. Doch mittlerweile gelingt die einst fĂŒr unmöglich gehaltene Nachzucht.
Mittlerweile sind wiederum ĂŒber 10 Jahre vergangen und der Eine oder Andere fragt sich vielleicht wieder, „Was ist ein Speierling oder Spierbaum, wie er auch genannt wird?“ .
Es handelt sich um eine Baumart, die sich hier in Unterfranken sehr wohl fĂŒhlt. Er bevorzugt kalkreiche und relativ trockene Böden in warmen Lagen. Letzteres scheint besonders wichtig fĂŒr die Art zu sein. Was auch sinnvoll erscheint, wenn man bedenkt, dass es sich um einen Einwanderer aus warmen Gefilden handelt, der bereits vor langer Zeit mit den Römern seinen Weg in unserer Breiten fand. Der Botaniker Otto Elsner, der die Pflanzenwelt unseres Landkreises wie seine Westentasche kennt vermutet, dass große Hitze am Standort der ausschlaggebende Faktor fĂŒr eine natĂŒrliche VerjĂŒngung des Speierlings ist. GĂŒnstige Bedingungen findet die hier beschriebene Schmerbirne in den sĂŒdhessischen Kernobstkeltereiregionen und vor allem in den unterfrĂ€nkischen Weinbaugebieten. Auch in unserem Landkreis kann der aufmerksame Beobachter Speierlinge entdecken. Immer dort wo Weinbau stattfindet oder frĂŒher betrieben wurde kann man auf die SpierĂ€pfel treffen. Das schönste Exemplar in unserem Landkreis, bei dem es sich sogar um ein einzeln stehendes Naturdenkmal handelt, findet man in Zell am Ebelsberg. Aber auch bei Prappach und bei Krum kann man Speierlinge ebenso finden wie im Rottensteiner Forst. Im Forst haben diese BĂ€ume jedoch hĂ€ufig ihre liebe Not sich gegen wĂŒchsigere WaldbĂ€umen im Kampf um das so wichtige Licht durchzusetzen. Da Fichten und Buchen eine weitaus grĂ¶ĂŸere Höhe erreichen können, hat der Speierling oft das Nachsehen. Eine Chance haben sie, wenn sie freigestellt werden oder eher am Waldrand wachsen. Neben trockenen Waldgebieten eignen sich vor allem Streuobstwiesen als Lebensraum fĂŒr die Art. Wobei sie es auf den Wiesen zu imposanteren Erscheinungen schaffen. Dazu haben sie jedoch auch genĂŒgend Zeit, wĂ€hrend ihrer Lebensdauer von bis zu 500 Jahren können diese BĂ€ume trotz ihres nur sehr langsamen Wachstums etwa 20m hoch werden und prĂ€chtige große Kronen entwickeln.

Die Rinde erinnert an Eichen, wĂ€hrend viele Betrachter den Baum wegen seiner Blattform fĂŒr eine Vogelbeere halten.

Die etwa kirschgroßen FrĂŒchte, die der Baum fast jĂ€hrlich tragen kann, variieren sehr stark in der Form. Der aufmerksame Leser wird die zahlreichen Volksnamen dieser Art sicher bemerkt haben und sich ĂŒber die doch recht unterschiedlichen Namen Schmerbirne und Spierapfel gewundert haben. Das liegt in der Form der FrĂŒchte. So gibt es apfel- und birnenförmige Variationen, die dann in Mengen bis zu 1000 kg an den BĂ€umen hĂ€ngen. Zur Zeit der Ernte Anfang September, wenn sie noch hart und unreif sind, weisen sie einen sehr hohen Tanningehalt auf. WĂ€hrend des Reifens Ă€ndert sich aufgrund von Änderungen in den Inhaltstoffen neben dem Geschmack, der zunĂ€chst  extrem bitter, herb, zusammenziehend ist und einen pelzigen Film auf der ZungehinterlĂ€sst, auch die Konsistenz.  Sie wird wĂ€hrend des Reifeprozesses weich, teigig, breiig und morsch. SpĂ€ter trocknen die FrĂŒchte aus und sind dann recht saftarm. Bei reifen Exemplaren werden die Gerbstoffe abgebaut und hohe Zuckergehalte treten hervor. Die FrĂŒchte sind dann wohlschmeckend, fadsĂŒĂŸlich, fast wie Apfelsaft und besitzen ein bratapfelĂ€hnliches Aroma. Es Ă€hnelt denen von Mispeln. Es gibt aber auch solche, die nach Birnen duften. Die Wirkung der Gerbstoffe in den unreifen FrĂŒchten kann man sich zu Nutze machen und mit ihr Marmeladen, Gelees zu einem lĂ€ngeren Überdauern verhelfen. Die in GlĂ€ser eingemachten FrĂŒchte durften sich frĂŒher noch als Hausmittel gegen Ruhr, Durchfall und Erbrechen bewĂ€hren. Doch ihre Hauptverwendung finden sie im Apfelwein. Schon J. L. Christ schreibt 1797 im Handbuch ĂŒber die Obstbaumzucht: "Man hat entdeckt, dass die FrĂŒchte einen vortrefflichen Wein ergeben. Der Wein wird nicht von Farbe sehr schön, sondern auch stark und gut. Es mĂŒssen aber Äpfel mit untergekeltert werden, da dann ein Malter Speierling und zwei Malter Äpfel ein Ohm vortrefflichen Cyder ergeben." Und so wird es noch heute gemacht.Gleich nach der Ernte werden die FrĂŒchte des Speierlings gekeltert und der Most in FĂ€sser gefĂŒllt. Erst wenn die HauptgĂ€rung des Apfelmostes abgeschlossen ist, wird der schon vorher ausgepresste Speierlingssaft dem gĂ€renden Apfelmost beigegeben. Speierlingssaft klĂ€rt den Apfelwein, verhilft ihm zu lĂ€ngerer Haltbarkeit und verleiht ihm vor allem den von den Apfelweintrinkern so geschĂ€tzten unverwechselbaren Geschmack, der mit anderen Mitteln nicht zu erreichen ist. MĂŒhsam und selten anzutreffen ist dagegen die Produktion eines guten Edelbrandes, „Sorbette“ oder „Sperbelschnaps“ genannt. Da die FrĂŒchte schwer zu beschaffen sind, ist der Preis natĂŒrlich höher als bei den bekannten Obstlern.In Italien werden die FrĂŒchte heute noch auf den MĂ€rkten als Obst gehandelt.

Also halten sie beim nÀchsten Spaziergang die Augen auf, vielleicht begegnen sie einem dieser hoch interessanten BÀume oder sie haben Lust bekommen ihre eigene Streuobstwiese mit einem Speierling zu bereichern.

 

Pilze und Flechten

Es gibt Pflanzen und es gibt Tiere, das weiß jedes Kind. Das Pilze nicht zu den Pflanzen gehören, weiß schon wieder nicht mehr jeder. Außerdem gibt es Lebensformen die sich miteinander arrangieren und völlig eigenwillige Gemeinschaften bilden.
Gesehen hat diese besonderen Lebensgemeinschaften bestimmt schon jeder. Doch es ist sicher nicht jedem bewusst, um was es sich dabei handelt. Sie wachsen an den unwirtlichsten PlĂ€tzen, sowie auf kargem Fels und in großer KĂ€lte. Sie ĂŒberleben auch noch bei – 48 Grad Celsius und bei bis zu 80 Grad Celsius. Außerdem sind sie an Mauern und an den Wetterseiten der BĂ€ume zu finden. Manche sind von strauchartiger Gestalt, andere schmiegen sich wie eine Kruste an den Untergrund und wieder andere haben blattartige Strukturen. Bei diesen wunderlichen Gestalten handelt es sich um Flechten.
Bei den Flechten handelt es sich um uralte Lebensformen, die in Urzeiten bereits das Land  besiedelten. Auch heute gehören sie zu den Pionieren bei der Besiedlung neuer LebensrĂ€ume. Nur sie schaffen es unter allen mehrzelligen Lebewesen, auf extremen Standorten wie neu entstandene nackte Felsen beispielsweise nach VulkanausbrĂŒchen oder nach dem ZurĂŒckweichen von Gletschern zu ĂŒberleben.
Die FĂ€higkeit zu diesen Pionierleistungen ist nur aufgrund der besonderen Form des Zusammenlebens von Pilz und Alge möglich. Man spricht dabei von einer Symbiose. Das heißt sowohl der eine als auch der andere Symbiosenpartner hat einen Nutzen von dieser Gemeinschaft. Denn in dieser Gemeinschaft besitzen Flechten FĂ€higkeiten, die weder der Pilz noch die Alge als Einzellebewesen aufweisen.
Beispielsweise wĂŒrde dem Pilz auf felsigem Untergrund das organische Substrat fĂŒr das Wachstum fehlen, wĂ€hrend fĂŒr eine einzelne Alge an dieser Stelle die Gefahr der Austrocknung sehr hoch wĂ€re. Doch gemeinsam sind sie stark. Das liegt daran, dass die Alge, hĂ€ufig eine GrĂŒnalgen, die Versorgung mit organischen Verbindungen durch die, den Pflanzen eigene Photosynthese, fĂŒr sich und den Pilz sicherstellt. Als Gegenleistung bietet er Pilz der Alge einen Lebensraum und Schutz vor Austrocknung. Befinden sich die Flechten an BĂ€umen, besteht fĂŒr Selbigen keine Gefahr. Denn Flechten sind keine Parasiten. Man spricht bei ihnen von Epyphyten denen  der Baum lediglich als Untergrund zum Festsitzen dient. Der reibungslose Ablauf des „FĂŒreinandersorgens“ wird durch den speziellen Aufbau von Flechten gewĂ€hrleistet. Die Alge befindet sich im windgeschĂŒtzten Inneren des Pilzfadengeflechts, wĂ€hrend der Pilz mit speziellen FĂ€den und sogenannten Saughyphen die NĂ€hrstoffe von der Alge bezieht.
Dieses unschlagbare Team ist jedoch auch Gefahren ausgesetzt. Denn die Lebensgemeinschaft befindet sich in einem sehr empfindlichen Gleichgewicht. SchĂ€dliche EinflĂŒsse können schnell zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen fĂŒhren. Dies ist fatal wenn man bedenkt, dass nur sehr langsam wachsen. Einige Arten schaffen nur wenige Millimeter pro Jahr. Allerdings können Flechten wenn sie einmal da sind, mehrere hundert Jahre alt werden. Des weiteren ist eine Feuchtigkeitszufuhr aus der Umgebung unabdingbar. Flechten enthalten nur soviel Wasser wie die sie umgebende Luft, da sie ihren Wasserhaushalt nicht selbst regulieren können. Um wachsen zu können ist eine Wasserversorgung aus der Umgebung notwendig, was erklĂ€rt, warum sie oft auf Wetterseiten zu finden sind.
Aufgrund ihrer Empfindlichkeit dienen sie als verlĂ€sslicher Indikator fĂŒr die LuftqualitĂ€t. In Gebieten mit hoher Schadstoffbelastung in der Luft wird man sie seltener finden als beispielsweise in den oft nebelverhangenen BergwĂ€ldern mit geringerer Schadstoffbelastung.
Flechten kommen jedoch nicht nur als Luftindikator zum Einsatz. Auch in der Medizin finden sie Verwendung. Ein recht bekannter Vertreter, der auch in unserem Landkreis zu finden ist, ist die Islandflechte (Cetraria islandica), besser bekannt als IslĂ€ndisches Moos. Wie der Name schon sagt, fĂŒhlt sich diese Art in arktischen Regionen der nördlichen HemisphĂ€re am wohlsten. Allerdings muss man sich bei uns sehr anstrengen ein Exemplar dieser geschĂŒtzten Flechte zu finden. Nachweise gibt es hier im Landkreis nur von einem Kalkmagerrasen am Seeweg bei Kerbfeld.
Die Exemplare der Islandflechte die in der Medizin Verwendung finden, stammen vor allem aus Bulgarien, dem ehemaligen Jugoslawien, RumĂ€nien und Russland. Das IslĂ€ndische Moos oder auch Fieberflechte genannt, enthĂ€lt verschiedene Schleimstoffe, bittere FlechtensĂ€uren und Ă€therische Öle. Die Schleimstoffe finden in Lutschpastillen Verwendung und wirken hustenmildernd. Möchte man sich selbst ein die AbwehrkrĂ€fte stimulierendes GetrĂ€nk brauen, sollte man einen Teelöffel zerstoßener Flechten mit etwa 150ml heißem Wasser ĂŒbergießen und etwa 10 Minuten ziehen lassen. Die FlechtensĂ€uren wirken ihrerseits antibiotisch. Sie haben jedoch auch noch eine wichtige Funktion bei der Verwitterung von Gestein.
Das Beispiel des IslĂ€ndischen Mooses zeigt, dass auch unauffĂ€llige Organismen interessante Geschichten haben. Sie können auch uns helfen, manche Gefahren – wie beispielsweise erhöhte Luftverschmutzung - frĂŒhzeitig zu erkennen. Wir sollten es Ihnen danken, indem wir auf unsere Umwelt RĂŒcksicht nehmen und jeder Einzelne versucht einen Beitrag zum Erhalt unsere heimischen Natur zu leisten.

 

                                                                                Foto: Otto Elsner

Die Art des Monats September   
                                 Die Gold-Aster (Aster linosyris)

Bei Aufenthalten draußen in der Natur werden aufmerksame SpaziergĂ€nger und Naturfreunde sie möglicherweise bereits entdeckt haben. FlĂ€chige BestĂ€nde der- wie der Name Gold-Aster bereits vermuten lĂ€sst - gelbblĂŒhenden Pflanze.  Vor allem im Nordwesten des Landkreises am Haßbergtrauf, um Nassach herum finden sich die meisten BestĂ€nde der Gold-Aster. Aber auch bei Zell am Ebelsberg am Steigerwaldtrauf kann man sie entdecken. Die BlĂŒten zeigen ihre Pracht vorrangig an brach gefallenen TrockenhĂ€ngen und warmen WaldrĂ€ndern.
Das zeigt bereits, das es diese Pflanze gerne etwas wĂ€rmer mag. Das ist auch kein Wunder, denn es handelt sich bei diesem KorbblĂŒtler um eine submediteran bis gemĂ€ĂŸigt kontinental verbreitete Art. Bei uns kommt diese Aster daher auch weitestgehend nur in SĂŒdddeutschland vor. Hier in Nordbayern findet man die Frostbeule nur an solchen wĂ€rmebegĂŒnstigten PlĂ€tzen wie eben Hassberg- und Steigerwaldtrauf.
Europaweit gilt die Gold-Aster als ungefĂ€hrdet und mĂ€ĂŸig hĂ€ufig. Bei uns befindet sich diese Pflanze allerdings auf bestĂ€ndigem RĂŒckzug. Der Grund hierfĂŒr liegt wie so oft auf der Hand. Vor allem die nach wie vor intensive Landnutzung und der weitere RĂŒckgang naturnaher und extensiv genutzter FlĂ€chen treiben die Gold-Aster in die Enge.
Es sollte jedoch jedem ein Anliegen sein, mit dafĂŒr zu sorgen, dass die Gold-Aster nicht in den traurigen Reigen der mindestens 80 Pflanzenarten eingeordnet werden muss, die in unserem Landkreis als ausgestorben oder verschollen gelten. „Ja,ja die gibt’s doch da und da“, mag man dieser Tage hören, doch in nicht allzu ferner Zukunft könnte es auch heißen, „Vor einigen Jahren haben dort an den HĂ€ngen immer herrlich gelbe Gold-Astern geblĂŒht. Schade, heute findet man sie nicht mehr.“ Da wir in Deutschland im globalen Vergleich nur eine recht geringe Artenvielfalt aufweisen können ist es um so wichtiger, die vorhanden Arten zu erhalten. Dieses Bestreben sollte in Anbetracht der Tatsache, dass von etwa 1000 GefĂ€ĂŸpflanzenarten im Landkreis Hassberge ĂŒber ein Viertel auf der Roten Liste steht umso dringlicher sein.
Dies gilt auch fĂŒr Pflanzen, die fĂŒr uns Menschen keinen direkten Nutzen haben. Bei der Gold-Aster muss man auf die Frage „Und wie kann man die nutzen?“ mit „Gar nicht.“ antworten. Denn der gelbe KorbblĂŒtler verhĂ€lt sich uns Menschen gegenĂŒber absolut neutral. Er ist weder giftig noch ist irgendeine medizinische oder anderweitige Nutzung bekannt. Das soll aber noch lange nicht heißen, dass diese Pflanze nutzlos ist. Denn auch Ästhetik stellt einen nicht zu unterschĂ€tzenden Wert dar.
Aber es gibt ja nicht nur uns Menschen die von der uns umgebenden Flora profitieren. So gibt es nachweislich 7 verschiedene Falterarten, die die Gold-Aster als Futterpflanze nutzen. Beispielsweise der Hellgrauer Goldaster-Mönch (Cucullia dracunculi) sowie zwei weitere Eulenfalter nutzen sie als Raupenfutterpflanze, wĂ€hrend zwei bedrohte BlĂ€ulingsarten sehr gerne den Nektar dieser Aster schlĂŒrfen. Ein weiterer Eulenfalter, der jedoch auch gern den Gartenastern einen Besuch zum Nektartrinken abstattet ist auch Gast an der Nektartheke der Goldaster.

Die Art des Monats
 der Helle Wiesenknopf-AmeisenblĂ€uling (Glaucopsyche teleius)

Wenn man an eine bunt blĂŒhende Sommerwiese denkt, was fĂ€llt einem da spontan ein? Ja richtig, farbenfrohe von BlĂŒte zu BlĂŒte gaukelnde Tagfalter. Aufgrund ihrer optischen AttraktivitĂ€t erfreuen sich Tagfalter großer Beliebtheit. Die bekanntesten Vertreter sind sicherlich auch fĂŒr Laien einprĂ€gsame Arten wie Tagpfauenauge, Schwalbenschwanz, Schachbrett oder der Zitronenfalter. Doch allein in Deutschland gibt es 193 verschiedene Arten von Tagfaltern, wovon etwa 90 Arten in unserem Landkreis zu finden sind. Um diese genau bestimmen zu können, erfordert es schon etwas Übung, da viele Arten nicht so einfach zu unterscheiden sind wie die eben genannten. Neben den Clowns unter den Tagfaltern gibt es auch viele kleine und unscheinbare Arten. Hilfreich kann es sein, wenn man mehr ĂŒber die LebensansprĂŒche der Arten Bescheid weiß, da viele Spezies an bestimmte Pflanzenarten gebunden sind. Vor allem die Larven können sehr wĂ€hlerische sein. Es gibt Arten bei denen nur eine Pflanzenart als Larvenfutterpflanze dient. Entsprechend anfĂ€llig sind diese Tiere gegenĂŒber VerĂ€nderungen ihres Lebensraums. Da dies unter UmstĂ€nden den Wegfall ihrer Nahrungsquelle bedeutet. Aufgrund von Lebensraumverlusten, wie beispielsweise der Nutzungsaufgabe von Wiesen, sowie durch die Verinselung verbliebener LebensrĂ€ume sind viele Arten in ihrem Bestand bedroht. Vor allem die frĂŒhe und hĂ€ufige Mahd der Wiesen stellt die Tagfalter vor große Probleme. Einerseits haben bereits an Pflanzen abgelegte Eier bei einer erneuten Mahd keine Chance sich zu entwickeln, andererseits finden auch erwachsene Tiere keine BlĂŒten mehr, von denen sie sich ernĂ€hren können. Besonders betroffen ist davon unter anderem der Helle Wiesenknopf-AmeisenblĂ€uling (Glaucopsyche teleius). Diese Art besiedelt Feuchtwiesen und Hochstaudenfluren sowie RĂ€nder von GrĂ€ben, GewĂ€ssern und Mooren – weswegen sie auch mancherorts Großer MoorblĂ€uling genannt wird. Entscheidend fĂŒr das Auftreten dieses Tagfalters ist zum Einen das Vorkommen des Großen Wiesenknopfs (Sanguisorba officinalis) und zum Anderen das Vorhandensein von Nestern einer speziellen Ameisenart. Den großen Wiesenknopf- auch unter Blutströpfchen bekannt – benötigen die Falter zur ErnĂ€hrung. Diese Pflanzen stellen die fast ausschließliche Nektarquelle fĂŒr die Art dar. Leicht vorstellbar ist nun, wie es den Tieren auf einer Wiese bei frĂŒher und hĂ€ufiger Mahd ergeht. Sie finden schlicht und ergreifend kein Futter mehr. Die Ameisen brauchen die Falter wiederum, da sie eine beeindruckende Besonderheit in ihrer Entwicklung aufweisen. Die erwachsenen Falter die im Juli und im August fliegen, legen ihre Eier an kleinen BlĂŒtenköpfen und -knospen des Großen Wiesenknopfs ab. Die Raupe verlĂ€sst ab Ende August die Fraßpflanze und wird nun von Ameisen einer speziellen Art adoptiert. Auslöser dieses Verhaltens ist offenbar ein Sekret, das die BlĂ€ulingsraupen absondern und welches von den Ameisen aufgeleckt wird. Die Ameisen werden davon offensichtlich stark beeinflusst. ZusĂ€tzlich können die Raupen den Nestgeruch der Ameisen imitieren. Aufgrund dieser beiden Punkte werden die BlĂ€ulingsraupen von den Ameisen wie die eigene Brut gepflegt, obwohl sie sich rĂ€uberisch von deren Eiern und Larven ernĂ€hren. Einmal im Ameisennest untergebracht, haben die Raupen ausgesorgt. Der gesamte Rest der Entwicklung verlĂ€uft im Ameisennest. Damit die Raupen den komplizierten Entwicklungszyklus vollstĂ€ndig durchlaufen können, wĂ€re es wichtig, MĂ€htermine auf die Art abzustimmen, insbesondere was einen spĂ€ten Mahdtermin der Wiesenknopf-FlĂ€chen betrifft. Auch ist eine jahrweise wechselnde Mahd von TeilflĂ€chen mit einem Anteil zeitweise ungemĂ€hter Bereiche wĂ€re vorstellbar. Auf jeden Fall besteht fĂŒr die Schmetterlingsart akuter Handlungsbedarf, da diese Spezies weltweit gefĂ€hrdet ist. FĂŒr unseren Landkreis hat dies besondere Gewichtung, denn hier befindet sich im Steigerwald einer der Verbreitungsschwerpunkte in Nordbayern. Im Aurachtal konnte eine Population von etwa 1000 Tieren ermittelt werden. Neben diesem Bereich gibt es auch bei uns nur zwei weitere Fundpunkte.
Juli Gombert

Die Art des Monats Juli – Der Warzenbeißer (Decticus verrucivorus)

Sitzt man derzeit am Abend auf dem Balkon oder im Garten oder streift ĂŒber eine Wiese hört man sie. Heuschrecken. Schon seit Juni ist bei uns laut und deutlich der Gesang der Grillen zu vernehmen. Doch nicht nur diese Grillenart bringt ihren Gesang zu Gehör. Auch andere Lang- und KurzfĂŒhlerschrecken ĂŒben sich in dieser Jahreszeit in einer großen Bandbreite von GesĂ€ngen. In Bayern sind immerhin noch 75 der 85 verschiedenen in Deutschland heimischen GeradflĂŒglerarten anzutreffen.
Doch ob nun LangfĂŒhler- oder KurzfĂŒhlerheuschrecke jetzt im Sommer gehören ihre Konzerte einfach dazu. Man beachte, dass es keine andere Insektengruppe zu so differenzierten LautĂ€ußerungen gebracht hat. In SĂŒddeutschland kann man sich dabei eines wesentlich grĂ¶ĂŸeren Spektrums erfreuen als in Norddeutschland. Grund dafĂŒr ist, dass sich viele Arten bei uns am Rande ihres Verbreitungsgebietes befinden. Ursache hierfĂŒr sind die vergleichsweise ungĂŒnstigen KlimaverhĂ€ltnisse in Deutschland. Heuschrecken mögen es warm und sonnig. Daher sind viele Arten auf Wiesen mit hoher Sonneneinstrahlung zu finden, nur wenige Arten begnĂŒgen sich mit schattigen WĂ€ldern oder mit GebĂŒsch. Man kann diese Tiere fast als Mimosen bezeichnen, da sie sich an kĂŒhleren oder gar feuchteren Sommertagen kaum zeigen und auch ihren Gesang nicht erklingen lassen. Den Winter verbringen die meisten dieser Tiere als Ei und umgehen somit die kalte Zeit.
Doch wie „singen“ Heuschrecken eigentlich? So mancher hat vielleicht gerade das Bild eines Geige spielenden GrashĂŒpfers vor Augen. Damit liegt er gar nicht so falsch. Der Begriff des Gesangs ist eher irrefĂŒhrend. Heuschrecken haben im Wesentlichen zwei Methoden um Laute von sich zu geben, der Mund spielt dabei allerdings ĂŒberhaupt keine Rolle. LangfĂŒhlerheuschrecken erzeugen Töne, indem sie ihre FlĂŒgel gegeneinander reiben. Eine sogenannte Schrillleiste schabt dabei ĂŒber eine Schrillkante wodurch der Ton erzeugt wird. KurzfĂŒhlerheuschrecken habe eine etwas andere Methode. Sie reiben eine gezĂ€hnte Leiste ihrer Hinterbeine an den VorderflĂŒgeln und erzeugen somit arttypische Konzerte.
Wer nun Interesse habt das nĂ€chste Mal den Heuschrecken etwas genauer zu zuhören, wird in unserem Landkreis mit etwas GlĂŒck auch auf den Warzenbeißer stoßen.
Diese Art ist sowohl anhand ihres imposanten Äußeren als auch durch recht laute und schrille „Zick“-Töne leicht zu erkennen. Der Gesang der Art erinnert an das Aneinanderschlagen von Stricknadeln. Um diese Art zu finden kann man in unserem Landkreis auf Trockenrasen am Haßbergtrauf, im Maintal und im Steigerwald Ausschau halten. Seit 1987 wurde der Warzenbeißer an 15 Fundorten im Landkreis nachgewiesen. Doch die Art mag auch das andere Extrem und tummelt sich zum Teil in Mooren.
Hat man nun das GlĂŒck ein Exemplar zu entdecken, könnte man meinen, ein tropisches Tier vor sich zu haben. Die Weibchen dieser Art können bis 44mm lang werden. Dies ist in Etwa die GrĂ¶ĂŸe, die auch das weitaus bekanntere Große grĂŒne Heupferd erreichen kann. Allerdings beeindruckt der Warzenbeißer durch ein weitaus massigeres Erscheinungsbild. ZusĂ€tzlich sind die Tiere krĂ€ftig gefĂ€rbt, die Palette reicht von gelb ĂŒber grĂŒn bis fast schwarz. Bei den Weibchen kommt außerdem noch der gefĂ€hrlich erscheinende Legestachel hinzu. Dieser dient allerdings ausschließlich dazu die Eier im Erdboden abzulegen. Die Tiere können damit niemanden Schmerzen zufĂŒgen. Trotzdem sollte man sie nicht unbedacht in die Hand nehmen, denn Warzenbeißer können zwar nicht stechen aber wie ihr Name schon sagt, können sie krĂ€ftig beißen. Aufgrund ihrer GrĂ¶ĂŸe und den entsprechend großen Mundwerkzeugen kann das ordentlich zwicken. FrĂŒher machte man sich das zu Nutze, litt man unter Warzen, ließ man einen Warzenbeißer dieselbe aufbeißen und mit ihrem Darmsaft verĂ€tzen. Den Überlieferungen nach soll dies gut geholfen haben. Die Methode wurde sogar bis in die 50ziger Jahre praktiziert.
Wer das selbst ausprobieren möchte, sollte sich allerdings beeilen. Denn auch diese Art steht mittlerweile auf der Roten Liste der gefĂ€hrdeten Arten. Da die Tiere ein extremes WĂ€rmebedĂŒrfnis haben, sind sie vor allem in den ersten Larvenstadien auf extrem kurzrasige FlĂ€chen mit hoher Sonneneinstrahlung angewiesen. Somit bedeutet es das Aus fĂŒr die Art wenn LebensrĂ€ume nicht mehr genutzt werden wie beispielsweise durch Beweidung, und somit verbuschen können oder aber aufgeforstet werden. Diese beiden Punkte und die EntwĂ€sserung von Feuchtgebieten und damit der Verlust der moorigen LebensrĂ€ume sind die Hauptursachen fĂŒr den RĂŒckgang dieser imposanten Heuschreckenart. Des Weiteren ist der Warzenbeißer, wie auch viele andere Arten von der immer weiter zunehmenden Verinselung und Verkleinerung der vorhandenen LebensrĂ€ume bedroht. Man kann nur hoffen, dass die Prognosen fĂŒr diese Art bei uns auch in naher Zukunft nicht so dĂŒster sind wie in den Niederlanden. Dort geht man davon aus, dass der Warzenbeißer, bei anhaltender Fortdauer der gefĂ€hrdenden Faktoren, die Art ist, die als nĂ€chste ausstirbt. Um dies zu vermeiden mĂŒssen jedoch alle etwas mitwirken und sich beispielsweise fĂŒr den Erhalt wertvoller LebensrĂ€ume einsetzen oder regionale Projekte zum Erhalt von Arten und LebensrĂ€umen unterstĂŒtzen.
Julia Gombert

Die Bocksriemenzunge
(Himatoglossum hircinum) – streng duftender Geißbock und zarte BlĂŒtenpracht in einem

NP 05.06.2004
Orchideen,
kaum eine Pflanzengruppe fasziniert die Menschen so wie diese. Ihnen wird Vieles nachgesagt und zahllose Geschichten winden sich um sie. Den Höhepunkt ihrer Beliebtheit erreichten die Orchideen im 19. Jahrhundert in England. Ausgelöst wurde der Boom durch eine blĂŒhende Orchidee die ein PflanzenjĂ€ger im Jahr 1818 aus dem fernen Brasilien mitbrachte und von deren Schönheit vor allem die gehobenere Schicht hingerissen war. Etwas spĂ€ter wurde die Orchideenzucht zu einem extravaganten FreizeitvergnĂŒgen fĂŒr sehr reiche HobbygĂ€rtner. Ein Wettlauf um die grĂ¶ĂŸte und schönste Orchideensammlung entbrannte zwischen FĂŒrstenhĂ€usern, englischem Landadel und Industriellen. Das Orchideenfieber trieb die Preise in astronomische Höhen. Es kam durchaus vor, dass mehr als das zehnfache eines damals durchschnittlichen Jahreseinkommens fĂŒr eine Orchidee verlangt wurde. Zu dieser Zeit wurden unendliche Mengen dieser Pflanzen in den Tropen rĂŒcksichtslos geerntet und nach Europa verschickt, was die BestĂ€nde teilweise drastisch reduzierte. Da man nur ĂŒber wenig Wissen zum Transport und zur Pflege der Orchideen verfĂŒgte, gelangte nur ein sehr geringer Teil unversehrt in Europa an. Durch den Verkauf der edlen Pflanzen wurde der in Bremen geborene Frederik Sander in England zum weltweit grĂ¶ĂŸten OrchideenhĂ€ndler. Er brachte es sogar zum königlichen OrchideenzĂŒchter, was ihm den Namen Orchideenkönig einbrachte. Der gelernte GĂ€rtner verfĂŒgte mit der Firma Sander und Co ĂŒber 60 GewĂ€chshĂ€user mit zeitweise ĂŒber 2 Millionen Pflanzen. Erst um 1900 ebbt das Orchideenfieber langsam ab und fand mit Beginn des ersten Weltkrieges ein Ende.
Doch man muss nicht unbedingt bis nach Borneo und Madagaskar reisen um sich an prachtvollen OrchideenblĂŒten zu erfreuen. Entsprechend dieser Artikelreihe möchte Ihnen der Bund Naturschutz eine der Orchideen vorstellen, die an derzeit elf Standorten in unserem Landkreis vorkommt. Es handelt sich um die Bocksriemenzunge (Himantoglossum hircinum). Sie verfĂŒgt zwar nicht ĂŒber riesige farbenfrohe BlĂŒten, doch der lang ausgezogene, hĂ€ufig in sich gedrehte Mittellappen verleiht der Pflanze ein exotisches Aussehen. Die Bocksriemenzunge ist mit bis zu 80cm Höhe die krĂ€ftigste und stattlichste der heimischen Orchideenarten. Die Pflanze ist durch einen sehr langen BlĂŒtenstand mit bis zu 120 BlĂŒten gekennzeichnet. Wie unschwer zu erkennen ist, weist der BlĂŒtenstand ein wirres Aussehen auf. Trotz ihrer GrĂ¶ĂŸe ist diese Orchidee, aufgrund ihrer grĂŒnlich bis braunlila gefĂ€rbten BlĂŒten, leicht zu ĂŒbersehen. Denn gerade jetzt, zur HauptblĂŒtezeit, im Mai und vor allem Juni steht die Vegetation der Halbtrocken- und Trockenrasen in vollster BlĂŒte . Neben den bunten BlĂŒten der Wiesenblumen gehen die grĂŒnlichen BlĂŒten der Bocksriemenzunge leicht unter . Wenn die BlĂŒten dieser Riemenzunge in ihrer FĂ€rbung vielleicht ein wenig zurĂŒckhaltend sind, so wartet sie mit einem starken, an Ziegenböcke erinnernden unangenehmen Geruch auf. Aus der Kombination dieses Geruchs und des langen Mittellappens der an einen Riemen erinnert entstand der Name dieser Orchidee, Bocksriemenzunge.
Himantoglossum hircinum ist jedoch nur in Deutschland die einzigste ihrer Gattung. Es gibt noch sechs weitere Riemenzungenarten, deren gemeinsames Kennzeichen der lang ausgezogene Mittellappen ist. In Deutschland ist die Art selten zu finden. Auch wenn die milderen Temperaturen in den letzten Jahren die Ausbreitung dieser Art in Unterfranken gefördert hat, zĂ€hlt die Bocksriemenzunge zu den seltenen und stark gefĂ€hrdet en einheimischen Orchideen und ist streng geschĂŒtzt, wie die anderen heimischen Arten auch.
Die Bocksriemenzunge bevorzugt warme Lagen, das heißt sie ist in Trockenrasen, auf Streuobstwiesen, an sonnigen grasigen HĂ€ngen und in lichtem GebĂŒsch zu finden. Vorwiegend in Weinbergslagen kann man mit etwas GlĂŒck und Sachkenntnis ein Exemplar dieser Art entdecken. Allerdings sollte man auch wissen, dass die Art neben der WĂ€rme auch noch kalkreichen und mĂ€ĂŸig trockenen Boden benötigt und aufgrund ihrer Frostempfindlichkeit nur in den mildesten Gegenden wĂ€chst.
Dem ortskundigen Leser fĂ€llt da möglicherweise gleich ein in Frage kommender Standort ein. Ebelsbach ist unter Orchideenkennern weithin bekannt . Nicht nur Fachleute suchen die hiesigen Standorte auf, denn auch naturbegeisterte Laien und BlĂŒtenliebhaber zieht es hierher um sich an der schönen Pflanze zu erfreuen und vielleicht das eine oder andere Foto zu schießen.
Bis vor noch nicht allzu langer Zeit mussten unzĂ€hlige Winzertreppen erklommen werden um in das visuelle VergnĂŒgen der Orchideen zu gelangen. Doch mittlerweile fĂŒhlt sich die Bocksriemenzunge in Ebelsbach so wohl, dass sie den Hang des ehemaligen Weinbergs hinabgeklettert ist und nun auch zu dessen Fuß blĂŒht. Eine ZĂ€hlung des Bundes Naturschutz im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde im Jahr 2000 ergab, dass Vorkommen auf etwa 3.800 Exemplare belĂ€uf t. Zu verdanken ist dieser Erfolg den jahrelangen finanziellen und körperlich aufwendigen MĂ€h- und Entbuschungsmaßnahmen. Doch diese positive Bestandsentwicklung darf nicht ĂŒber die generell gefĂ€hrdete Situation unserer heimischen Orchideenarten hinwegtĂ€uschen. Deshalb wie immer als Schlusssatz die Aufforderung: Gehen sie mit Bedacht und RĂŒcksicht mit der Natur um und helfen Sie mit, ein weiteres Kleinod unserer Region zu bewahren.
Julia Gombert

Bund Naturschutz fĂŒhrte PopulationsschĂ€tzung durch
Gelbbauchunken sind mittlerweile stark gefÀhrdet
VON JULIA GOMBERT
Nachdem in den letzten beiden Monaten eine Pflanze den Titel „Art der Monats“ trug, ist nun wieder eine Tierart an der Reihe. Dabei handelt es sich um die Art, die den Ausschlag zu der Aktion „Art des Monats“ lieferte. Im vergangenen Jahr fĂŒhrte die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz (BN) Haßberge eine groß angelegte PopulationsgrĂ¶ĂŸenschĂ€tzung an Gelbbauchunken in den SteinbrĂŒchen des Ebelsbachtals durch. Dieses Projekt wurde mit Mitteln aus den Erlösen der GlĂŒcksspiralen-Lotterie ermöglicht.


HASSFURT - Eines schönen Tages, als die Biologen des BN mit KĂ€scher und Eimer bewaffnet, eifrig damit beschĂ€ftigt waren die Gelbbauchunken in einem TĂŒmpel zu fangen trafen sie auf ein paar naturverbundene Wanderer. Diese waren von der großen Zahl vermeintlicher Feuersalamander restlos begeistert. Nachdem die Wanderer aufgeklĂ€rt waren, wurde beschlossen die Öffentlichkeit intensiver ĂŒber die vielfĂ€ltigen Kostbarkeiten in ihrer nahen Umgebung aufzuklĂ€ren.
Gelbbauchunken haben – wie die meisten Amphibien – einen zweigeteilten Lebensraum. Einen Teil ihres Daseins verbringen die Tiere im Wasser, wĂ€hrend sie sich in der restlichen Zeit an Land aufhalten. Besonders wichtig ist die Vernetzung ihrer Feucht- und TrockenlebensrĂ€ume, die einer gewissen Dynamik unterliegen mĂŒssen, damit infolge der zunehmenden Sukzession nicht alle besonnten LaichgewĂ€sser beschattet werden. Denn so wĂŒrden sie ihre Funktion fĂŒr die Gelbbauchunken verlieren. Klassische GelbbauchunkengewĂ€sser sind Wildschweinsuhlen, sowie zeitweise durchflossene ÜberschwemmungstĂŒmpel und QuelltĂŒmpel.
Heute findet man die Tiere vor allem in anthropogen geschaffenen SekundĂ€rhabitaten wie SteinbrĂŒchen, Fahrspuren auf Waldwegen und auf militĂ€rischen ÜbungsflĂ€chen. Sogar in ViehtrĂ€nken wurde bereits Laich von Gelbbauchunken gefunden. Bei der Wahl ihrer LaichgewĂ€sser sind die Unken auf ihre Art wĂ€hlerisch da sie ĂŒber kein großes Durchsetzungsvermögen gegenĂŒber anderen Arten verfĂŒgen. So mĂŒssen die LaichgewĂ€sser unbedingt fischfrei sein, weswegen die Tiere temporĂ€re GewĂ€sser zum Ablaichen bevorzugen. Außerdem meiden sie die Anwesenheit anderer Amphibienarten
Wenn Gelbbauchunken im spĂ€ten FrĂŒhjahr und FrĂŒhsommer die LaichgewĂ€sser aufsuchen, beginnen die MĂ€nnchen zu rufen, um Weibchen anzulocken. Bald darauf sind in den TĂŒmpeln kleine Laichklumpen zu finden. Diese sind wesentlich kleiner als etwa Grasfroschlaichballen. Sie bestehen im Durchschnitt aus nur zehn bis 20 Eiern. Die Eier erscheinen durch ihre typische Pigmentierung, die als Schutz vor zu starker UV-Strahlung dient, auf der Oberseite milchkaffeefarben.
Nach einiger Zeit schlĂŒpfen die kleinen Kaulquappen. Der genaue Farbton der Quappen passt sich dem jeweiligen Untergrund des GewĂ€ssers an, so dass die Tiere im Wasser fast nicht zu sehen sind. Ihre TarnfĂ€rbung bietet ihnen einen optimalen Schutz vor Feinden.
Nach etwa zwei Monaten entwickeln sich aus den Kaulquappen erwachsene Unken. Ganz typisch fĂŒr die etwa sechs Zentimeter großen Gelbbauchunken sind ihre herzförmigen Pupillen. Die Zunge ist wie bei allen so genannten ScheibenzĂŒnglern mit dem Mundboden verwachsen, so dass sie sich nicht – wie man es vom „klassischen Frosch“ kennt – vorschnellen lĂ€sst.
Die warzige RĂŒckenseite der Tiere ist von graubrauner TarnfĂ€rbung, wĂ€hrend die glatte Bauchseite ein individuelles schwarz-gelbes Muster aufweist, was die Verwechslung mit dem Feuersalamander auslöste. Da sich die schwarzen Flecken auf gelbem Grund im Laufe des Unkenlebens fast nicht mehr verĂ€ndern, ist dies quasi ihr Fingerabdruck, anhand dessen sich die Tiere immer eindeutig erkennen lassen.
Um mögliche Feinde abzuwehren und bereits frĂŒhzeitig zu warnen, verfĂŒgen die Unken ĂŒber diese WarnfĂ€rbung, die Feinde abschreckt. In einer bedrohlichen Situation nehmen die Tiere die typische „Kahnstellung“ ein, bei der die gelbe Bauchzeichnung sichtbar wird, oder sie flĂŒchten. Denn auch fĂŒr Gelbbauchunken gilt fressen und gefressen werden. Vor allem die Unkenlarven werden ihrerseits von Molchen und deren Larven sowie von Fische und rĂ€uberische Insekten als Mahlzeit angesehen.
Wenn die Unken erst einmal erwachsen sind, droht ihnen dank ihres hochwirksamen Hautgifts fast keine Gefahr mehr. Wie auch wir bei unseren Erfassungen feststellen mussten, verursacht dieses Gift in Wunden und auf SchleimhÀuten ein unangenehmes Brennen.
Gelbbauchunken sind echte EuropĂ€er. Man findet sie vom sĂŒdöstlichen Griechenland bis ins westliche Frankreich. Die Verbreitungsgrenze der Gelbbauchunken ist stark von der Höhenlage abhĂ€ngig. Vor allem HĂŒgellĂ€nder und Mittelgebirge werden besiedelt.
Allerdings erleiden die Tiere immer und immer wieder einschneidende Lebensraumverluste, was dazu fĂŒhrte, dass sie mittlerweile selten geworden sind. Infolgedessen wurde die Art in diesem Jahr in der Roten Liste eine Stufe höher eingestuft. Sie gilt nun nicht mehr als „nur“ gefĂ€hrdet, sondern mittlerweile leider als „stark“ gefĂ€hrdet. In Bayern lassen sich drei Verbreitungsschwerpunkte festlegen. Der erste befindet sich im unterfrĂ€nkischen Raum, der zweite liegt im Bereich der Donau und ein drittes Areal findet sich in SĂŒdbayern.
Im Landkreis Haßberge konnte die Gelbbauchunke mehrfach nachgewiesen werden. Die Schwerpunkte der Verbreitung sind hier, neben anderen Nachweispunkten, vor allem die vom Bund Naturschutz untersuchten SteinbrĂŒche im Ebelsbachtal.
Um dieser einprĂ€gsamen Amphibienart auch weiterhin einen Lebensraum bieten zu können, wurden im letzten Jahr die anfangs erwĂ€hnten PopulationsgrĂ¶ĂŸenschĂ€tzungen durchgefĂŒhrt. Ziel der Untersuchung war es, mit wissenschaftlichen Methoden abzuschĂ€tzen, wie groß die dort lebenden UnkenbestĂ€nde wirklich sind. Die SchĂ€tzungen ergaben, dass wohl ĂŒber 1800 Tiere in diesen Bereichen leben. Eine PopulationsgrĂ¶ĂŸe die uns positiv ĂŒberraschte!
Um geeignete Schutzmaßnahmen vorschlagen zu können, reichte es natĂŒrlich nicht aus zu wissen, wie viele Tiere dort leben. ZusĂ€tzlich wurde daher die Struktur der Vegetation und die der vorhandenen GewĂ€sser erfasst. Mit Hilfe dieser Daten ließen sich nun geeignete Maßnahmen vorschlagen, um einen Fortbestand der Art in diesen Bereichen zu sichern und ihren Lebensraum zu optimieren.

Ein Opfer des Zwiebelraubes 
Wildtulpe
befindet sich notgedrungen auf dem RĂŒckzug

KREIS HASSBERGE. Wer kennt sie nicht? Stellen sie doch ein Ă€ußerst beliebtes Fotomotiv dar und sind neben dem Gouda zum Synonym fĂŒr Holland geworden. Doch aufgepasst, heute geht es um die kleine Schwester des in unzĂ€hligen Farbvariationen erscheinenden und mittlerweile auch in der BlĂŒtenblattform variablen LiliengewĂ€chses. Wildtulpen prĂ€sentieren sich dagegen nur mit einem gelben, duftenden BlĂŒtenkleid.
WĂ€hrend die Garten–Tulpe (Tulipa gesneriana) weit verbreitet ist und fast in jedem Garten zu finden ist, ist es um die Wildtulpe (Tulipa sylvestris) um einiges schlechter bestellt.
Dabei fand die Pflanze bereits in der zweiten HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts ihren Weg von Persien und der TĂŒrkei ĂŒber Sizilien und Griechenland in KlostergĂ€rten und Adelssitze unserer Breiten.
Die Herkunft verrĂ€t bereits, dass es diese Tulpen bevorzugt warm und trocken mögen. In SĂŒddeutschland sind diese Pflanzen daher auch bevorzugt in Weinbergen zu finden. Auch im Haßberg-Kreis, speziell bei Königsberg und Unfinden sowie bei WĂŒlflingen und Zeil, kann man sich noch an der gelben BlĂŒtenpracht im FrĂŒhjahr erfreuen.
Doch wie bei allen Arten die in der Reihe „Tier/Pflanze des Monats“ vom Bund Naturschutz vorgestellt werden, trĂŒgt auch bei dieser Art der Schein des Überflusses. Da extensiv bewirtschaftete Weinberge immer seltener werden und der Chemikalieneinsatz auch den Wildtulpen ungemein zusetzt, befindet sich die Pflanze auf dem RĂŒckzug.
Neben intensiver Bodenbearbeitung setzt den FrĂŒhlingsboten auch der „Zwiebelraub“ zu. Leider gibt es immer wieder unvernĂŒnftige Mitmenschen, welche die Zwiebeln der geschĂŒtzten Pflanze ausgraben.
Dies trifft nicht nur auf Tulpen zu, auch in diesem Jahr konnten Leute dabei beobachtet werden, wie sie MĂ€rzenbecher ausgruben, um den Pflanzen in ihrem Garten einen neuen Platz zu geben, ohne dabei an die Folgen fĂŒr die Natur zu denken. Speziell bei einer Pflanze wie der Tulpe, von der bekanntlich sehr viele schöne Zuchtformen erhĂ€ltlich sind, ist dies unverstĂ€ndlich.
Wie bei vielen Pflanzen ranken sich auch um die Tulpen verschiedene Geschichten. Bereits in den ErzĂ€hlungen von 1001 werden sie erwĂ€hnt. Im Mittelalter waren sie in der TĂŒrkei sehr beliebt und wurden demzufolge in zahlreichen alten Werken aufgefĂŒhrt.
Bereits zu der Zeit, als sie den Sprung in unsere Breiten schafften, gab es bereits ĂŒber 1300 verschiedene Formen. Ein Sultan Namens Selim war von den Tulpen derart begeistert, dass er sich 1574 etwa 500.000 StĂŒck zur bloßen Augenfreude bestellt haben soll.
1544 machte der Diplomat Busbeck die Tulpe in Europa salonfĂ€hig und bekannt. Er schickte erste Tulpensamen nach Wien, von wo aus sich die Pflanze ihren Weg nach Holland und England bahnte. In Holland gipfelte es in einem regelrechten Tulpenboom, dessen Auswirkungen bis heute zu spĂŒren sind. Holland ist bis heute das TulpenzĂŒchterland Nummer 1.
Ihren Namen erhielt der FrĂŒhblĂŒher vermutlich in Anlehnung an das persische Wort fĂŒr Turban, Dulbend, da das Erscheinungsbild der BlĂŒten hĂ€ufig mit der Form des Turbans verglichen wurde.

ERSTE BOTEN DES FRÜHLINGS
KĂŒchenschelle
ist selten geworden
HASSFURT/EBERN - Noch hat uns der Winter scheinbar fest im Griff. Temperaturen um die Null Grad und Schnee lassen immer wieder vergessen, dass es bereits Anfang MĂ€rz ist. Davon unbeeindruckt beginnen in der Natur die ersten FrĂŒhjahrsaktivitĂ€ten. Dem aufmerksamen Beobachter werden sicher bereits die ersten Schneeglöckchen oder sogar MĂ€rzenbecher aufgefallen sein.
Neben diesen beiden beginnen auch noch andere Pflanzen im FrĂŒhjahr zu blĂŒhen, so auch die KĂŒchenschelle. Der geneigte Leser mag sich vielleicht fragen, wie die Pflanze zu ihrem Namen kam. Es wird vermutet, dass sie zuerst Kuhschelle hieß. Aus diesem Name entstand zunĂ€chst die Verkleinerungsform KĂŒhchenschelle. Von diesem Begriff war es nun nicht mehr weit bis KĂŒchenschelle.

Bereits im MĂ€rz setzen die violett gefĂ€rbten BlĂŒtenglocken der weitestgehend noch recht grauen Umgebung bunte Farbtupfer auf. Stehen viele der etwa 20 Zentimeter hohen HahnenfußgewĂ€chse zugleich in BlĂŒte, erscheint es von Weitem wie eine einzige violette FlĂ€che. Die BlĂŒten hĂ€ngen einzeln an leicht gebogenen Stengeln. Charakteristisch sind außerdem die stark gefiederten BlĂ€tter.
Doch auch wenn die KĂŒchenschelle nicht blĂŒht, erscheint sie in einem attraktiven Kleid. Ihre Knospen schĂŒtzt die Pflanze mit Hilfe einer dichten silbrigen Behaarung und auch die dekorativen, fedrig behaarten und schopfartigen FruchtstĂ€nde sind einen zweiten genaueren Blick wert.
Wenn man die Gelegenheit hat, sollte man generell einen Blick auf diese Pflanze werfen, da sie selten geworden ist und alle Pulsatillaarten unter Naturschutz stehen. Doch hier im Landkreis gibt es noch das eine oder andere Fleckchen, an dem man die – der Sage nach – „TrĂ€nen der Venus“ bestaunen kann. Die Pulsatilla liebt WĂ€rme und trockene, steinige sowie sandhaltige Böden. In der FrĂ€nkischen Schweiz ist sie auf trockenen Magerrasen und in KiefernwĂ€ldern noch relativ hĂ€ufig zu finden. Magerrasen sind auch die bevorzugten Standorte der Art in unserem Landkreis. Hier ist die Pflanze auch noch an relativ vielen Punkten, vor allem entlang des Haßbergtraufs zu finden, wie beispielsweise bei Prappach und bei Junkersdorf. Auch auf einer vom BN gepflegten PachtflĂ€che ist die KĂŒchenschelle zu finden.
Neben ihrer hĂŒbschen Erscheinung gibt es auch noch allerhand Wissenswertes von dieser ausdauernden Pflanze zu berichten. Zum einen hat die bereits erwĂ€hnte fedrige Behaarung der NußfrĂŒchtchen eine ganz spezielle Funktion. Die FrĂŒchte können damit entweder mit dem Wind oder im Fell eines Tieres verbreitet werden. Sind sie am Boden angelangt, können sie sich mit Hilfe von Eigenbewegungen des „Federschweifs“ in die Erde bohren. Dies ist durch die FĂ€higkeit der Samen, Wasser anzuziehen, möglich.
Einst Heilmittel
Des Weiteren war die Pflanze bereits bei den Kelten bekannt und im Mittelalter gehörte sie wohl zur Grundausstattung jeder Apotheke. Sie wurde als Heilmittel bei Nervenreizungen und Schmerzen eingesetzt. Auch bei Verdauungsstörungen und akuten chronischen Schnupfen soll die Pflanze lindernd wirken. Bis ins 18. Jahrhundert hinein geriet die Heilkraft der KĂŒchenschelle in Vergessenheit, bevor sie in der Homöpathie erneut Verwendung fand. Vor allem als „Konstitutions-“ und „Frauenmittel“ kommt Pulsatilla zur Anwendung. Von der Zubereitung eines Tees sollte jedoch auf jeden Fall abgesehen werden, da alle Pflanzenteile giftig sind. Sie enthalten unter anderem Ă€therische Öle und Saponin. Saponin ist ein Abwehrstoff der Pflanze gegen tierische Fraßfeinde. Der Stoff ist in der Lage, die roten Blutkörperchen von Tieren zu zerstören.
Beim Menschen Ă€ußern sich die Vergiftungserscheinungen zunĂ€chst durch generelle Erregung, dann LĂ€hmung des Zentralnervensystems, Übelkeit, AtemlĂ€hmung, Nierenversagen und Schock. Bei BerĂŒhrungen kommt es zu starken Hautreizungen mit Blasenbildung. Als Erste-Hilfe-Maßnahmen empfiehlt es sich zunĂ€chst einen Brechreiz auszulösen und anschließend viel warmen Tee zu trinken. Bei starken Vergiftungen solle auf jeden Fall das Krankenhaus aufgesucht werden.
In Anbetracht dieser unangenehmen Seiten der schönen Pflanze bleibt jedoch zu hoffen, dass jeder der das VergnĂŒgen hat, bei einem Spaziergang KĂŒchenschellen zu entdecken, diese nur betrachtet und nicht zum Munde fĂŒhrt. Beim Innehalten und BlĂŒtenanschauen kann einem einmal mehr bewusst werden, dass unsere heimische Natur sehr schĂŒtzenswert ist. Nicht zuletzt, um auch in einigen Jahren noch seltene und schöne Pflanzen wie die KĂŒchenschelle zu entdecken. bn

VON JULIA GOMBERT
EBERN/HOFHEIM
- Im vergangenen Jahr fĂŒhrten die Biologen des Bundes Naturschutz (BN) eine Gelbbauchunkenerfassung durch. Dabei trafen sie des Öfteren Leute, die zum Einen die untersuchte Art gar nicht kannten und zum Anderen völlig ĂŒberrascht waren, dass diese stark bedrohte Tierart in ihrer nĂ€heren Umgebung in einer doch recht beachtlichen Anzahl vorkommt.
Es gibt auch FĂ€lle, in denen die Leute sagen, „Ja, ja. Die gibt's hier in Massen.“ Dabei wissen sie unter UmstĂ€nden gar nicht, dass es sich um eine der letzten BestĂ€nde handelt oder dass es, wie im Falle des Kammmolchs, im Landkreis Haßberge gar nicht so selbstverstĂ€ndlich ist, dass die Tiere an vergleichsweise vielen Stellen vorkommen.
Aus diesen GrĂŒnden will die Bund Naturschutz Kreisgruppe Haßberge jeden Monat ein Tier- oder eine Pflanzenart vorstellen, die im Landkreis Haßberge vorkommt und etwas Besonderes darstellt. Und vielleicht sagt doch der Eine oder Andere: „Da schau her, dass wusste ich gar nicht, dass es die hier gibt!“ Oder man kann seinen Begleitern beim nĂ€chsten Spaziergang etwas interessantes ĂŒber die aktuelle Art des Monats erzĂ€hlen.
Das Tier des Monats Januar ist der Uhu (Bubo bubo).

 

Viele bringen den Namen Uhu eher mit einem bekannten Klebstoff in Zusammenhang anstatt mit der grĂ¶ĂŸten Eule Europas. Um dies zu Ă€ndern, ist in den folgenden Zeilen einiges Wissenwertes ĂŒber den großen heimischen Vogel Uhu zu lesen.
Wenn man GlĂŒck hat, kann man in den kalten, sternklaren WinternĂ€chten den Ruf des Uhus vernehmen. Die MĂ€nnchen lassen ihr tiefes, weithallendes „buho“ ertönen, wobei sie ihren weißen Kehlfleck prĂ€sentieren. Doch auch die fast Steinadler großen Weibchen sind nicht leise: Sie rufen allerdings mit etwas höherer Stimme „u- hu“.
Und wie sieht er aus, der große JĂ€ger der Nacht? Die Vögel haben rostbraunes Gefieder mit einer dunklen Flecken und BĂ€ndern. Am Bauch ist das Gefieder etwas heller. Typisch sind die Federohren und vor allem die orangeroten Augen.
——————
Lebenslange Einehe
——————
In der Zeit von Ende Februar bis Mitte MĂ€rz, also noch vor der bekannten, typischen Brutzeit von Vögeln, legen die Weibchen zwei bis drei Eier in die Brutmulde in Nischen oder Aushöhlungen von Felsen in Fels- oder SteilwĂ€nden von beispielsweise SteinbrĂŒchen. Das Weibchen ist, wie bei allen Eulen, allein fĂŒr das BrĂŒten zustĂ€ndig. Das MĂ€nnchen ist aber auch trotzdem „familiĂ€r“ eingestellt und kĂŒmmert sich wĂ€hrend der Brutzeit um das Weibchen. Auch nach dieser Zeit bleiben die Tiere zusammen. Uhus fĂŒhren eine lebenslange Einehe.
Sind die Jungen geschlĂŒpft mĂŒssen, sie noch weitere zehn Wochen im Nest umsorgt werden. Dann verlassen sie dieses und können sofort fliegen. Allerdings gibt es auch hier die berĂŒhmte Ausnahme. Manchmal brĂŒten Uhus in Bodenmulden. In solchen FĂ€llen wandern die dann noch flugunfĂ€higen Jungen schon nach vier Wochen aus der Brutmulde ab und suchen Deckung im GebĂŒsch. Ihnen ist das Nest zu unsicher.
Aber auch nach dem Verlassen des Nests bleiben die kleinen Uhus noch zwei bis drei Monate in der elterlichen Obhut. Erst dann beherrschen sie alle, zum Überleben notwendigen Tricks selbststĂ€ndig. Ist die Lehrzeit dann vorĂŒber, wandern die Jungen ab und suchen sich ein eigenes Revier. Dabei wandern sie bis zu ĂŒber 300 Kilometer. Findet sich ein passendes Revier, bleiben sie diesem fĂŒnf bis 40 Quadratkilometer großen Gebiet treu.
In diesem Revier jagen die Vögel ihre Beute. Bei der Nahrungswahl ist der Uhu ĂŒberhaupt nicht wĂ€hlerisch. Die breite Palette reicht von Wildkaninchen ĂŒber Igel bis hin zu Amphibien. Mindestens ein Viertel der Nahrung stellen jedoch MĂ€use und Ratten dar.
Uhus erbeuten keine Hirsche
——————
Dass Uhus Hirsche erbeuten, ist ein MĂ€rchen. Dieses rĂŒhrt möglicherweise daher, dass die Vögel auch Aas fressen. Derart „auf frischer Tat“ ertappt, rankten sich schnell Geschichten um Hirsch mordende Uhus. Aber auch der kapitalste Brocken eines Uhus kann nichts erbeuten, das grĂ¶ĂŸer als ein Fuchs ist.
Unter anderem aufgrund des derart breiten Beutespektrums, hat der Uhu ein weit gestrecktes Verbreitungsgebiet. Uhus sind von Nordafrika bis Nordeuropa, von Ostsibirien und Sachalin, ĂŒber China bis nach Indien anzutreffen. Nur im Nordwesten Frankreichs und auf einigen europĂ€ischen Inseln fehlt der Uhu.
Umso trauriger ist es, dass diese große Eule als stark gefĂ€hrdet in der Roten Liste aufgefĂŒhrt ist. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden diese Vögel in Mitteleuropa stark verfolgt. Bis 1930 war der Uhu in den meisten BundeslĂ€ndern ausgestorben. Doch in Bayern konnte er sich halten. Bis heute hat er einen Verbreitungsschwerpunkt in Nordbayern in der Frankenjura. Von etwa 200 Brutpaaren konzentrieren sich 60 Prozent auf die nordbayerischen Mittelgebirge. Und auch im Landkreis Haßberge ist ein Uhuvorkommen registriert. Es konnte sogar nachgewiesen werden, dass die Tiere hier brĂŒten!
Doch auch hier trĂŒgt der schöne Schein. WĂ€hrend die ĂŒbrigen 40 Prozent in den Alpen leben, sind auch aus dem restlichen Bayern nur Einzelvorkommen bekannt. Auch im Landkreis Haßberge sind die Bruterfolge in letzter Zeit rĂŒcklĂ€ufig, so Lothar Kranz von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Unterfranken.
GefĂ€hrdet ist der Uhu zum Einen durch natĂŒrliche EinflĂŒsse wie Fressfeinde, beispielsweise dem Fuchs, oder Lebensraumverlust durch fortschreitende Verbuschung ihrer BrutplĂ€tze. Doch damit kamen die Tiere schon immer zurecht.
Viel schlimmer ist die GefĂ€hrdung durch den Menschen. So wurden die Tiere zunĂ€chst aufgrund ihrer angeblichen JagdschĂ€dlichkeit verfolgt. SteinbrĂŒche werden verfĂŒllt, so dass die Tiere weitere LebensrĂ€ume verlieren. Durch Rodentizide (RattenbekĂ€mpfungsmittel) wird ihnen ihre wichtigste Nahrungsgrundlage entzogen. Und letztendlich macht dem Uhu die hohe Siedlungsdichte mit ihren Folgen sehr zu schaffen. BrutplĂ€tze werden beispielsweise durch Freizeitsportler, wie Kletterer, gestört und so manches Tier hat sich auch schon einen tödlichen Stromschlag an Überlandleitungen geholt.
Deshalb der Aufruf: Geht sorgsamer und bedachter mit der umliegenden Natur um. Denn bei einer fĂŒr uns Menschen vermeintlich „kleinen Sache“, wie zum Beispiel BaumfĂ€llarbeiten im Wald, kann es fĂŒr einen Uhu schon um Leben und Tod gehen!
Der Uhu ist auch im Landkreis Haßberge anzutreffen. Leider sind aber die Bruterfolge in letzter Zeit rĂŒcklĂ€ufig

Das Tier des Monats Februar – Der Biber (Castor fiber)

 

Mein lieber Biber! Er ist immerhin mit bis zu 130cm das grĂ¶ĂŸte Nagetier Europas. Mit einem Gewicht von bis zu 40kg können Biber sogar schwerer als Rehe werden. So wundert es nicht, dass diesem fleißigen Handwerker viele Hunderte von Jahren nachgestellt wurde. Ein Biber ist  ein „fetter Brocken“ und so wurden die Tiere in frĂŒheren Zeiten wegen ihres Fleisches gejagt. Doch nicht nur auf das Fleisch hatte man es abgesehen, auch der Pelz fand in MĂŒtzen und MĂ€nteln Verwendung. Aufgrund der vielen Haare die pro cm2 Biberhaut wachsen, stellte ein Biberpelz einen besonders guten KĂ€lteschutz dar. Nicht zuletzt hatten die Tiere unter dem menschlichen Aberglauben zu leiden. Ihnen wurde ein DrĂŒsensekret - das Bibergeil – abgezapft, welches gegen alle möglichen Wehwehchen helfen sollte. Diese Prozedur ĂŒberlebte natĂŒrlich keiner der Nager. Die stĂ€ndigen Nachstellungen forderten ihren Tribut: 1867 wurde der letzte bayerische Biber getötet.

Es sollte fast genau 100 Jahre dauern, bis 1966 der Bund Naturschutz das bisher erfolgreichste Wiederansiedelungsprojekt Deutschlands startete. Umso schöner es, Seit einigen Jahren können wir dieses SĂ€ugetier wieder in heimischen GewĂ€ssern begrĂŒĂŸen. Die ersten Exemplare wurden in Holzkisten zur Donau gebracht. Von hier aus sollten sich die Tiere alte, neue Wege suchen, was sie auch sehr erfolgreich taten. Heute leben in Bayern etwa 1.500 bis 1.700 Biber.

Die Wasserwege fĂŒhrten „Meister Bokert“ auch nach Unterfranken. Damit Mensch und Biber möglichst konfliktfrei miteinander leben können, ist es wichtig zu wissen, wo sich die Tiere befinden. Somit können mögliche Probleme bereits im Vorfeld erkannt und geeignete Maßnahmen ergriffen werden, die sowohl den betroffenen Menschen als auch dem betroffenen Biber zu Gute kommen. Ein Hauptproblem von Mensch und Biber ist die gemeinsame Landnutzung mit unterschiedlichen Zielen. In direkter GewĂ€ssernĂ€he können schwere Maschinen in Biberröhren einbrechen. Wenn die Felder zu dicht am Wasser sind, bedient sich der Biber gern an dort wachsenden ZuckerrĂŒben und an Mais. FĂŒr nicht mehr behebbare SchĂ€den wurde vom Bund Naturschutz ein HĂ€rtefonds eingerichtet, um dererlei SchĂ€den finanziell auszugleichen. Ist aber das Bibervorkommen rechtzeitig bekannt, kann mit etwas gutem Willen in fast allen FĂ€llen eine Lösung fĂŒr ein bestehendes Problem zwischen Mensch und Biber finden. Daher wurde im Herbst 2001 durch Herr Fuchs von der ANL in Laufen und Herr Mack von der Regierung auch in Unterfranken ein Kartierkurs initiiert. 2003 zĂ€hlten dort angelernte Biberkartierer 42 Reviere allein in Unterfranken. Mit einer weiteren Zunahme des Vorkommens ist in den nĂ€chsten Jahren durchaus zu rechnen. Die meisten Reviere sind derzeit im Landkreis Main-Spessart zu finden. Doch auch hier in unserem Landkreis wurden Ende August 2002 die ersten eindeutige Fraßspuren eines Bibers bei Sand entdeckt. „Die Tiere wandern von Oberfranken und vor allem vom Obermain zu uns ein“, so der Biberbetreuer und -kartierer Claus Haubensack von der Unteren Naturschutzbehörde in Hassfurt. Er beobachtet kontinuierlich das Treiben der großen Nager. Er vermutet, dass hier bis heute wahrscheinlich ein einzelnes Tier ansĂ€ssig ist. AnlĂ€sslich der RĂŒckkehr des Bibers existieren mittlerweile einige interessante Prospekte zum Thema Biber. Sowohl die Regierung von Unterfranken wie auch der Bund Naturschutz haben Informationen zusammengestellt.  Dies erhalten sie sowohl beim Biberbetreuer und beim Biberbeauftragten des Landkreises in der Unteren Naturschutzbehörde wie auch in der GeschĂ€ftsstelle des Bundes Naturschutz.

Doch wer neugierig geworden ist und nicht erst auf die Informationen aus den Prospekten warten will, sollte nun weiterlesen. Denn die wenigsten wissen nicht wesentlich mehr ĂŒber diese Tiere als das sie große ZĂ€hnen und einen abgeflachten Schwanz haben und im Wasser große Biberburgen bauen.


Auch wenn man in der NĂ€he eines reich strukturierten Bachs lebt und einen Biber als Nachbarn hat, wird man diesen nur mit etwas GlĂŒck zu Gesicht bekommen. Eher wird man seine beeindruckende Bauten finden als das Tier selbst,  denn dieser ist dĂ€mmerungs- und nachtaktiv.

In seinem Bau ist der Biber nicht allein. Eine Biberfamilie besteht aus einem Elternpaar und zwei Generationen von Jungen. Die Kleinen können sofort nach der Geburt schwimmen. Die Familie lebt im Bau gut geschĂŒtzt, denn der Eingang befindet sich stets unter Wasser. WĂ€hrend seiner aktiven Phase gehen die Tiere auf Futtersuche. Trotz ihrer furchterregenden ZĂ€hne ernĂ€hren sich Biber rein pflanzlich. Nur die Umstellung von Mutters Milch in den ersten drei Lebensmonaten auf GrĂŒnkost fĂ€llt manchmal etwas schwer. Ist die Umstellung jedoch geschafft bietet sich dem Biber ein reichhaltiger Speisezettel. Im Sommer bevorzugen sie KrĂ€uter, GrĂ€ser und Wasserpflanzen. Auch Rohrkolben und Teichrosen werden gern gefressen. Im  Winter geht der Biber zu den hĂ€rteren Sachen ĂŒber, wie Rinden und Zweige weicher Hölzer. Davon legen sich die Tiere gerne einen Vorrat unter Wasser an, wovon sie zehren wenn ihr Bassin zugefroren ist. Sie können sogar unter Wasser fressen, ohne stĂ€ndig Wasser im Maul zu haben. Mit einem speziellen Trick können die Tiere mit den Lippen  große LĂŒcken zwischen den Schneide- und den BackenzĂ€hnen verschließen. Da Biber keine WinterschlĂ€fer sind, schĂŒtzt sie ihr dichtes Fell bei den winterlichen Touren durchs Revier erfolgreich vor klirrender KĂ€lte. An manchen Stellen des Bauches wachsen mehr als 20.000 Haare pro cm2. Die menschliche Kopfhaut weist im Vergleich dazu pro cmmaximal 300 Haare auf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

BN-Linde_klein