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Flora und Fauna

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FT 13.07.2002
Lämmersalat und Ferkelkraut
Der Diplombiologe Otto Elsner entdeckte bei Neuschleichach zwei seltene Wildpflanzen

NEUSCHLEICHACH. Dem im Landkreis lebenden Botaniker und Biologen Otto Elsner ist im Steigerwald der Nachweis von zwei seltenen Ackerwildkr√§utern gelungen: L√§mmersalat und Kahles Ferkelkraut. Die Natursch√ľtzer √ľberlegen nun, wie die Vorkommen gemeinsam mit den Landwirten gesichert werden k√∂nnen.
In √Ąckern finden sich typische Begleitpflanzen, die von vielen Landwirten als "Unkraut" angesehen werden, die aber ein betr√§chtliches Reservoir an Artenvielfalt ausmachen. Diese charakteristische Ackerbegleitflora nimmt seit der Nachkriegszeit mehr und mehr ab. Allerdings trifft der R√ľckgang vor allem diejenigen Arten, die an n√§hrstoff√§rmere Ackerkrume gebunden sind. Durch die heute √ľbliche D√ľngung werden dagegen einige wenige andere, Stickstoff liebende Ackerwildkr√§uter so stark gef√∂rdert, dass sie sich zu allgegenw√§rtigen Pflanzenarten oder gar zu "Problemunkr√§utern" entwickelten.
Auch der Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln auf den √Ąckern hat neben einer Artenverarmung die explosionsartige Vermehrung einiger schwierig zu bek√§mpfender Ackerbegleitkr√§uter wie Windhalm, Flughafer und Gew√∂hnliche Quecke zur Folge.
Konkurrenzschwache Arten, die bevorzugt auf Grenzertragsb√∂den oder n√§hrstoffarmen Kalk- oder Sandb√∂den vorkommen, haben bei den heutigen Bewirtschaftungsmethoden praktisch keine Chance. Auch wenn die Samen dieser Arten f√ľr einige Jahrzehnte im Boden ruhen k√∂nnen, um erst dann zu keimen, wenn die √§u√üeren Bedingungen stimmen, so ist diese Keimf√§higkeit doch irgendwann ersch√∂pft.
Der Lämmersalat und das Kahle Ferkelkraut zählen zu den sehr seltenen Pflanzenarten in der Bundesrepublik Deutschland. Der Diplombiologe Otto Elsner, der die Kräuter in der Neuschleichacher Flur entdeckte, versichert: "Ich selber habe in meinem ganzen Leben noch nie so viele Exemplare des Lämmersalates an einem Standort gesehen." In den Roten Listen sind diese Arten als "stark gefährdet", in Unterfranken sogar als "vom Aussterben bedroht" eingestuft.
Vom Aussterben bedroht
Beide Pflanzenarten gelten praktisch in allen Bundesl√§ndern als "stark gef√§hrdet" oder als "vom Aussterben bedroht". Lediglich in den ausgedehnten Sandgebieten Brandenburgs ist der L√§mmersalat "nur" als "gef√§hrdet" eingestuft. Der Hauptgrund f√ľr diese hohe Gef√§hrdung liegt in der stark ver√§nderten Form der Landbewirtschaftung, der Intensivnutzung, bei der n√§hrstoffarme Standorte - insbesondere magere Sand√§cker - nahezu vollst√§ndig verschwunden sind.
Im Gegensatz zu anderen ausdauernden Pflanzenarten, die in den Schutzgebieten meist relativ leicht erhalten werden können, ist der Erhalt von seltenen Ackerwildkräutern und den entsprechenden Pflanzengesellschaften weit schwieriger zu gestalten.
Partner Mensch
Ackerwildkr√§uter sind von einer gewissen Bewirtschaftungsform auf bestimmten Standorten abh√§ngig; diese Arten sind eng an das Wirken des Menschen in der Kulturlandschaft gebunden. Zun√§chst ist die Ackerbegleitflora auf ein j√§hrliches Umbrechen, das hei√üt auf die Schaffung von offenem Boden, angewiesen. Durch die heutigen intensiven Bewirtschaftungsmethoden, insbesondere Herbizideinsatz und D√ľngung (meist Minerald√ľnger oder G√ľlle), ist der Fortbestand von Ackerwildkr√§utern auf n√§hrstoffarmen Standorten nicht mehr gegeben.
F√ľr die heute noch vorhanden n√§hrstoffarmen Sand√§cker am Rennerkreuz bei Neuschleichach ist aus Sicht des Arten- und Biotopschutzes zu fordern:

  • Erhaltung und Pflege der vorhandenen AckerwildkrautGesellschaften (Samenpotenzial!) durch extensive Ackernutzung unter die Entwicklung n√§hrstoffarmer Sandfl√§chen;
  • kein Einsatz von Herbiziden (Unkrautvernichtungsmitteln) und Minerald√ľngern, zumindest innerhalb eines Ackerrandstreifens von mindestens vier Metern Breite auf geeigneten Ackerfl√§chen;
  • Ausdehnung potenziell geeigneter Ackerfl√§chen im Umfeld vorhandener Ackerwildkraut-Gesellschaften bei extensiver Ackernutzung;
  • Wiederaufnahme einer extensiven Ackerwirtschaft bei stillgelegten Ackerfl√§chen.

Es ist eine wichtige Aufgabe der Unteren Naturschutzbeh√∂rde am Landratsamt, so hei√üt es in einer Miteilung des Amtes zu dem Fund der seltenen Kr√§uter im Steigerwald, Vertr√§ge mit Eigent√ľmern oder Nutzern abzuschlie√üen. Noch in diesem Jahr wird die Beh√∂rde auf die Eigent√ľmer im Bereich der Sand√§cker zugehen, um ihnen Vertr√§ge nach dem Bayerischen Naturschutzprogramm anzubieten.
410 Euro pro Hektar
Dieses Vertrags-Naturschutzprogramm in Bayern erm√∂glicht einen finanziellen Ausgleich f√ľr Landwirte, die f√ľr die Erhaltung botanischer Rarit√§ten auf jegliche D√ľngung und Pflanzenschutz verzichten. Der F√∂rderbetrag kann bis zu 410 Euro pro Hektar betragen, wenn der Bauer nach der Ernte eine Stoppelbrache liegen l√§sst, so dass sich wahrscheinlich der eine oder andere Grundeigent√ľmer auf diesen armen Sandb√∂den √ľberlegen wird, ob er nicht einsteigen will.

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